So blühte in der ganzen alten Welt die Sklaverei, allerdings zum größten Nachteile der Sklavenbesitzer selbst, die sich durch die Sklaverei der freien Arbeit entwöhnten und diese als eine Schande für den Freigeborenen ansehen lernten, ja der Staaten selber. Man kann wohl sagen, die alte Welt ging an der Sklaverei zu Grunde, weil sie durch dieselbe den arbeitenden Mittelstand verlor, ohne den kein Staatswesen auf die Dauer bestehen kann.
Im Mittelalter nahm die Sklaverei die mildere Form der »Hörigkeit« an, welche die Freiheit und das Recht der Selbstbestimmung für die Hörigen keineswegs ganz aufhob. Nur wo das römische Recht volle Geltung erlangte, fand sich noch wirkliche Sklaverei der Kriegsgefangenen. Sonst wurden die Bewohner eines eroberten Landes nur gezwungen, den Grund und Boden zu bearbeiten und dann an die Sieger neben persönlichen Dienstleistungen, die bestimmt festgesetzt waren, gewisse Natural-Abgaben von dem Ertrag des ihnen überlassenen Landes zu entrichten.
Wir haben schon oben erwähnt, daß erst die neuere Zeit sich den traurigen Ruhm erwarb, die Negersklaverei eingeführt und die Ansicht in Gang gebracht zu haben, daß die Neger eigentlich gar keine rechte Menschen seien, und daß es für die Weißen nichts Unmenschliches, sondern etwas völlig Berechtigtes sei, sie in die Sklaverei zu schleppen und sich ihre rohe Kraft dienstbar zu machen.
Schon um's Jahr 1440 brachten die Portugiesen Negersklaven in den Handel und im Jahre 1460 bestand in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon ein öffentlicher Markt, auf welchem Neger zum Kaufe gestellt wurden.
Wie man dieselben erhielt? – Durch Raubzüge, die man auf den Küsten Afrikas veranstaltete und auf denen man alle Neger, deren man habhaft werden konnte, einfing und sie in möglichst großer Zahl enge zusammengepfercht in kleine, schnellsegelnde Schiffe packte. Ging dabei auch ein großer Teil der Eingefangenen und vielleicht schwer Verwundeten zu Grunde, so wurde doch noch immer an den Überlebenden ein so großer Gewinn gemacht, daß die Habsucht reiche Befriedigung fand und die auf solche Raubzüge verwendeten Kosten hohe Zinsen trugen. Als diese Raubzüge sich nicht mehr lohnten, weil die Neger, durch Schaden klug gemacht, auf ihrer Hut waren und sich in das Innere des Landes und seine unzugänglichen Schlupfwinkel zurückgezogen, sobald sich ein Schiff an der Küste blicken ließ, auch den räuberischen Weißen blutigen Widerstand leisteten und den Tod der Gefangenschaft vorzogen, da suchte man mit den Negerhäuptlingen Verträge abzuschließen, welche diese verpflichteten, gegen nichtigen Tand und geringwertige Zeuge und Geräte ihre Untergebenen an die Weißen zu verkaufen. Wo die Überredung dabei nicht zum Ziele führte, mußte der Branntwein helfen, den halb oder ganz Trunkenen die Einwilligung abzupressen.
Einen besonderen Aufschwung nahm die Negersklaverei und der grausame Handel mit den armen Schwarzen nach der Entdeckung Amerikas zu Ende des 15. Jahrhunderts, denn die Spanier und Portugiesen erkannten bald, daß die eingeborenen Indianer der neuentdeckten Länder viel zu schwächlich seien, um die reichen Schätze, welche dort der üppige Boden und der Reichtum des Erdinnern an edlen Metallen in Aussicht stellten, in dem Maße zu heben, wie es die Habsucht und die entflammte Geldgierde begehrten. Für Europäer aber erwies sich das Klima als ein zu mörderisches, als daß man hätte daran denken dürfen, solche zu schwerer Arbeit zu verwenden. Überdies wollten diejenigen Europäer, welche nach dem neuentdeckten Weltteile hinüberzogen, nichts weniger als schwer arbeiten, sondern waren nur von der Sucht getrieben, drüben, wo man das Gold auf der Straße zu finden hoffte, recht schnell reich zu werden und dann mit Gold beladen wieder heimzukehren.
So schien es als das beste, ja als das allein mögliche, um die kostbaren Entdeckungen recht auszubeuten, daß man die kräftigen, an das heißeste Klima gewöhnten Neger nach Amerika verpflanzte. Und je mehr es sich bewährte, daß dieselben das für die Europäer so verderbliche Klima auch bei der schwersten Arbeit prächtig ertrugen, desto mehr befestigte sich die Meinung und gestaltete sich allmählig zu einem unbestreitbaren Grundsatze, an dem niemand zu rütteln wagen durfte, daß die Neger für die westindischen Pflanzer ganz und gar unentbehrlich seien.
Über die Frage, ob es recht sei, sie gewaltsam zu rauben und in die Ferne zu schleppen, setzte sich die gewissenlose Habsucht und Goldgierde leicht hinweg, oder, wo noch ein Gewissen sich regte, sie zu erheben, da mußte jene Stelle der heiligen Schrift (1. Mos. 9, 25, 27) über alle Bedenken hinweghelfen, durch die man den Beweis erbracht sah, daß die Nachkommen Kanaans, als die man die Schwarzen betrachtete, nach göttlicher Ordnung für alle Zeiten bestimmt seien, den Fluch der Knechtschaft zu tragen.
Die Wildheit der eingeführten Neger, die nur mit Zähneknirschen das aufgelegte Joch trugen, ihre für die Bewohner gebildeter Länder abschreckende Rohheit, ihre von derjenigen der Weißen so sehr abweichende Gesichtsbildung, alles dies brachte nun weiter leicht die Behauptung zur allgemeinen Geltung, die Schwarzen seien eigentlich nur Halbmenschen, welche nicht viel über dem Tiere ständen, und in bezug auf welche deshalb auch die wirklichen Menschen, die Weißen, das Gottesgebot für sich in Anspruch nehmen dürften, daß sie sich die Erde unterthan machen und über alle ihre Geschöpfe herrschen sollten. Das allein reichte freilich schon hin, für die Negersklaven von seiten ihrer Herren eine Behandlung herbeizuführen, die bei ihnen durchaus keine Menschenwürde mehr gelten ließ. Aber diese üble Behandlung mußte sich notwendigerweise noch steigern, wenn es galt, die Neger zur Arbeit anzuhalten, und das Kapital, welches man auf ihren Ankauf verwandt hatte, und welches noch fort und fort ihre Unterhaltung erforderte, mit möglichst hohem Gewinn aus ihrer Arbeit herauszupressen. Denn da konnte nur der härteste Zwang die angeborene Trägheit der Neger überwinden, und nur der furchtbaren Peitsche aus Nashornhaut, die schonungslos die nackten Schultern zerfleischte, konnte es gelingen, jede leiseste Regung der Wut und des Widerstandes gegen die unbarmherzigen Peiniger im Keime schon zu ersticken.
Daß solche Wut dennoch bei den leidenschaftlichen, heißblütigen Schwarzen gelegentlich zum Ausbruche kam und sich dann in Grausamkeiten gegen die verhaßten Peiniger entlud, welche jeder Beschreibung spotten, konnte natürlich die Behandlung der Neger nicht besser machen und wurde nur als Beweis dafür geltend gemacht, daß ihnen gegenüber nur die furchtbarste Härte am Platze und im stande sei, die Weißen davor zu schützen, daß sie nicht von der überlegenen Körperkraft der Neger zermalmt würden, zumal da, wo, wie auf einsam gelegenen Pflanzungen, die Weißen in einer ganz verschwindenden Minderzahl ständen.