„Ich suche soeben eine hübsche Stadtwohnung, von vier bis fünf Zimmern, die ich mir mit allem Comfort herzurichten gedenke!“

„Siehst Du, alter Knabe!“ rief Detmold hocherfreut, „das ist die gescheiteste Idee Deines Lebens! — Doch was willst Du mit einer so großen Wohnung?“ fuhr er nach einer Pause fort.

„Nun, nun,“ erwiderte jener sichtlich verlegen, „man mag doch nicht immer allein bleiben und dann erwarte ich“ — er hielt inne, da ihm ein Geständniß, das ihm schwer auf den Lippen schwebte, nicht so recht herunter wollte.

Doch Detmold schien dies kaum zu bemerken. „Hast auch Recht,“ nahm er das Wort, „daß Du Dir, nachdem Du auf eine gesegnete Thätigkeit zurückblicken kannst, das Leben angenehm machen willst! A propos!“ begann er nach kurzer Pause, während er mit Behagen seinen Mocca schlürfte, „da fällt mir ein, daß die Sectionsräthin Sturm in ihrem neu erbauten Hause am Ring eine prächtige Wohnung zu vergeben hat; sie bewohnt das Parterre, im zweiten Stock wohnt ein Börsianer, der erste Stock ist noch frei. Du kommst da gleich zu einem sehr angenehmen, geselligen Verkehr, die Räthin ist eine charmante, sehr gastfreie und unterhaltende Dame, die Töchter sind gebildete, überaus reizende Mädchen, in deren Umgang Du sicher —“

„Aber bester Freund, Du willst mir doch nicht gar eine Partie aufschwatzen?“

„Das will ich nicht, bei Gott!“ entgegnete Detmold ernsthaft; „weiß ich ja, daß Du Deine Marie nie vergessen wirst, und wenn schon die Räthin nach einem reichen Freier für ihre älteste Tochter ausspäht, lag mir eine solche Combination fern. Mich leitete nur der Gedanke, Dir, der Du hier fremd bist, ein gastliches Haus zu eröffnen —“

„Ich verstehe,“ unterbrach ihn Buchler, „und bin Dir dankbar für Deine Fürsorge. Wollen wir mit einander die Wohnung anschauen?“

„Du hast heute ganz über mich zu verfügen, alter Freund!“ entgegnete Detmold.

Gar bald standen die beiden Männer vor einem großen stattlichen Hause.

„Frau Räthin zu sprechen?“ fragte Detmold den Portier.