„Thörin,“ unterbrach sie die jetzt völlig metamorphosirte Mutter, deren Blick ernst und finster geworden war, „Du könntest leicht Frau Professor sein, wenn Du es verstanden hättest, Deine Vorzüge zur Geltung zu bringen.“
„Soll ich dies vielleicht, da ich es bei Detmold unterließ, bei dem indischen Nabob versuchen?“ fragte Camilla schelmisch lächelnd.
Die Räthin schien den Spott nicht herauszuhören. „Gut, daß Du endlich einmal zur Vernunft kommst, Mädchen,“ sagte sie, dicht zu ihr heran rückend. „Ich will Dir all’ Deine bisherigen Unklugheiten verzeihen, wenn Du mir in diesem Punkte zu folgen versprichst!“
„Also, was soll ich thun, Mütterchen, um Deine Zufriedenheit zu erwerben?“ fragte Camilla, sich zum Ernste zwingend. „Mon Dieu,“ entgegnet die Räthin nach Worten suchend, „soll ich denn einem Mädchen von vierundzwanzig Jahren Vorschriften geben, wie sie sich benehmen soll, um ihre Zukunft zu sichern? Mr. Buchler wird unser Hausgenosse sein, wir werden selbstverständlich Gelegenheit haben, ihn öfter zu sehen, ihm bei seiner Einrichtung und Wirthschaftsführung an die Hand zu gehen, Du wirst Dich ihm als praktische Haustochter unentbehrlich machen, unser Freund Detmold ist sein Intimus, selbstverständlich wird das ‚Motto‘ gelten: ‚Les amis de mes amis sont aussi mes amis‘!“
„Und weiter nichts als amis?“ spottete das übermüthige Mädchen. „Gut, Mama, auf diesen Vorschlag will ich eingehen; ich werde den alten indischen Nabob mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln zu umstricken suchen, verspreche Dir, ihm sogar, und wenn er uns täglich besuchen sollte, etwas vorzulesen, vorzusingen, vorzuspielen, vorzuweinen —“
„Du bist und bleibst eine Närrin!“ unterbrach sie die Räthin unwillig. „Doch ich erkläre Dir fest und entschieden, Camilla, daß, wenn Du all’ meine Pläne consequent kreuzen wirst, ich Dr. Richard von heute an den Verkehr in unserem Hause untersage.“
Das schöne Mädchen wurde nachdenklich.
„Aber Mutterlieb“, begann sie, ihre Arme um den Hals der kleinen Frau schlingend, „was hat Dir denn Adalmar gethan? Ist er nicht der beste Gesellschafter, der aufrichtigste Freund?“
„Und die aussichtsloseste Partie, die Du nur anstreben kannst!“ entgegnete die Mutter.
„Strebe ich denn eine Partie an?“ fragte Camilla verwundert.