„Halten Sie mich für einen solchen Schwachkopf, daß ich, wenn ich etwas in Scene setze, die Pointen vergesse. Ihre liebe Schwiegermama muß mir das Wort geben, Niemandem zu sagen, mit wem sich Camilla verlobt; es soll ihr und vielen Anderen eine Ueberraschung sein.“
Und in der That. Woche auf Woche verging, die sehnlichst erwartete Ernennung war eingetroffen, die beiden Liebenden hätten es zwar gern hinaus gejubelt in alle Lüfte, doch sie schwiegen eben so gern, da der gute Papa Buchler, wie sie ihn nun nannten, es so wollte. „Kinder,“ sagte er, zwei Tage vor dem längst besprochenen Feste, „heute begleitet Ihr mich zu der Bahn. Um 6 Uhr treffen meine Gäste aus Innsbruck ein!“
„Aber Sie wissen ja, bester Freund,“ entgegnete Dr. Richard, „daß Camilla nach dem neuesten Verdict der gestrengen Mama sich nicht mit mir zeigen darf!“
„So fahre ich mit Fräulein Camilla zur Bahn und wir treffen Sie draußen, Herr Professor,“ sagte Buchler, das letzte Wort so stark accentuirend, als thäte er sich selbst auf die neu verliehene Würde etwas zugute.
„Wollen Sie uns heute auch noch nicht sagen,“ forschte Camilla, „wen Sie erwarten?“
„Nun, meinethalben, wenn Sie mir versprechen, Freund Detmold nichts zu verrathen!“
Beide gelobten Schweigen und so begann Buchler, während sein Auge in Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, strahlte: „Bald drei Monate sind es, daß ich mit meiner Frau in Triest landete —“
„Mit Ihrer Frau?“ unterbrachen Beide wie aus Einem Munde.
„Mit meiner Frau!“ bestätigte Buchler schmunzelnd. „Der gute Detmold hat mich hier in den Ruf eines trauernden, womöglich gar eines heiratslustigen Witwers gebracht, und da mich die Sache zuerst amüsirte, ich hernach, da ich sah, mit welcher Pietät er das Andenken an meine verstorbene Gattin bewahrte, sein zart besaitetes Gemüth durch die Mittheilung, daß ich seit zwei Jahren wieder vermält sei, zu verletzen fürchtete, störte ich die vorgefaßte Meinung nicht, um so weniger, da ich mich in jeder Hinsicht gut dadurch befand. Ihre Mama, liebe Camilla, wußte mir das Haus sehr angenehm zu machen, Detmold blieb mir ein treuer Freund und last, not least selbst meine gute Frau Lorenz hegte und pflegte mich, daß ich mich durchaus bei meiner Witwerschaft wohl fühlte. Vielleicht hätte ich schon eher den Schleier gelüftet, denn gar oft drückte es mir das Herz ab, daß ich zu Niemandem von meiner braven Gattin sprechen konnte, doch da kam Euer Liebesroman dazwischen, den ich mir nun einmal, ein närrischer Kauz, wie ich es bin, vorgenommen, zum definitiven Abschluß zu bringen. Consequent mußte ich also meine Rolle durchführen, sonst hätte ich morgen nicht das Vergnügen, Euer Verlobungsfest feiern zu können!“
„Sie guter, edler Mensch,“ riefen Beide, ihm zärtlich die Hände drückend.