„Doch nun,“ begann Camilla mit feinem Tact, „nun plaudern Sie uns von Ihrer Gattin, die ich wie eine Schwester lieb haben will!“
„Auch sie sehnt sich, Ihre Bekanntschaft zu machen, Camilla, und zählt die Stunden bis —“
„Aber, verzeihen Sie meine Frage,“ unterbrach das junge Mädchen, „wie konnten Sie, ein so gemüthvoller, häuslicher Mann, es über sich gewinnen, drei Monate von einer sicher sehr liebenswürdigen Gattin getrennt zu sein?“
„Meiner Anna,“ entgegnete Buchler, „war schon in Calcutta eine Cur in Franzensbad verordnet worden; von Triest aus fuhren wir direct dorthin und nachdem meine Gattin einen geeigneten Kreis von Bekannten gefunden, beschloß ich, nach Wien zu reisen, um das Haus inzwischen so einzurichten, daß, wenn sie einträfe, Alles geordnet sei, in längstens vier Wochen hoffte ich, meine Gattin hier zu sehen, da will es der böse oder der glückliche Zufall, ich weiß es selber nicht, daß sie in Franzensbad eine Nichte trifft, die sie einladet, die Nachcur auf ihrem Gute bei Innsbruck zu halten. Der Aufenthalt in Franzensbad wurde auf sechs Wochen ausgedehnt, die Nachcur sollte nur vierzehn Tage in Anspruch nehmen, doch da erwartet man im Hause der Nichte einen kleinen Weltbürger und meine gute Anna kann selbstverständlich die Verwandte in dieser hoffnungsvollen Zeit nicht allein lassen; nun, Gottlob, ist aber Alles überstanden und — wenngleich ich mich in der Zeit meines Strohwitwerthums recht wohl befunden, zähle ich doch die Minuten, bis ich endlich meine Gattin in ihr Heim einführen kann!“
„Was nun die Mama sagen wird!“ rief Camilla nachdenklich; „ich glaube gar, sie bekommt einen ihrer Nervenzufälle!“
„Von denen sie der ‚Professor‘ heilen wird,“ entgegnete Buchler zuversichtlich. „Und nun, Herr Professor,“ fuhr er fort, „eilen Sie voran, ich folge in einer halben Stunde mit Fräulein Camilla.“
„Ob ich nicht doch besser thäte,“ begann diese, „die Mama vorzubereiten?“
„Sie würden mir meine ganze Freude verderben!“ entgegnete Buchler. „Die Mama kommt noch sehr gelinde mit einem kleinen Schreck für das in meinen Augen sehr strafbare Vergehen davon, daß sie des lieben Mammons willen ein junges, in echter Liebe für einen edlen, kenntnißreichen Mann entflammtes Mädchens einem abgelebten müden Manne zuführen wollte, den ihr Kind nicht lieben, ja kaum achten kann, wenn er herzlos genug ist, ihre Jugend an sein Alter zu ketten.“
„Verurtheilen Sie die Mama nicht!“ bat Camilla; „sie hat den Ernst des Lebens kennen gelernt und nach ihren Begriffen denkt sie am besten für mich zu sorgen, wenn —“
„Auch dem alten Detmold wollte sie Sie vermälen,“ unterbrach Buchler unwillig; „er ist mein Freund, doch ein eingefleischter Sonderling, daß ich nicht verstehen kann, wie eine sonst so praktische Frau, wie Ihre Mama, da so ganz unpraktisch verfahren kann, wo es gilt, das Glück ihres Kindes zu begründen!“