„Und Frau Lorenz?“ fragte Camilla nach einigem Nachdenken, „wird sie schweigen?“

„Glauben Sie nicht, daß meine Anna mir zuliebe ein wenig Comödie spielen kann? Niemand im Hause wird ahnen, daß sie meine Gattin ist; sie gilt für meine Nichte, bewohnt das Zimmer neben dem meinigen, zu dem Frau Lorenz schon in gutgemeinter Vorsorglichkeit den unlängst abhanden gekommenen Schlüssel hat anfertigen lassen; o glauben Sie, liebe Camilla, wir werden unsere Rollen trefflich durchführen und das Verlobungsfest noch lange in gutem Andenken behalten.“

„Wie habe ich es mir verdient, daß Sie sich meiner so warm annehmen?“ fragte Camilla, eine Thräne in ihren schönen Augen zerdrückend.

„Keine Reflexionen, Püppchen!“ sagte Buchler, ihr die Wangen streichelnd; „jetzt eilen Sie zu Mama und bitten sie um die Erlaubniß —“

„Madame Buchler feierlichst einzuholen!“ unterbrach Camilla, muthwillig lächelnd.

„Bei Verlust meiner Freundschaft, keinen Verrath!“ sagte Buchler, mit dem Finger drohend. Doch schon war das junge Mädchen die Stiegen hinuntergesprungen und sandte bald hernach die Nachricht, daß Herr Buchler sie abholen könnte.

Im Salon empfing ihn die Räthin, die heute gegen ihre Gewohnheit ein ziemlich böses Gesicht machte. „Bester Freund,“ sagte sie, ihre Worte abwägend, „meine Camilla nimmt sich jetzt oft das Recht, ohne meine oder der Schwestern Begleitung in Ihre Wohnung zu gehen, sie verlangt sogar jetzt meine Einwilligung, allein mit Ihnen eine Spazierfahrt machen zu dürfen. Sie werden begreifen,“ fuhr sie nach einer Pause fort, „daß ihr Ruf —“

„Aber meine beste Räthin,“ unterbrach sie Buchler, ihr gutmüthig die Hand auf die Schulter legend, „gedulden Sie sich nur noch zwei Tage und Alles wird sich klären! Glauben Sie mir, Camilla’s Ehre ist mir so heilig wie meine eigene und ich möchte um Alles in der Welt nicht —“

„Ich verstehe,“ unterbrach ihn die Räthin, durch seinen Hinweis sichtlich befriedigt, „ich weiß sie ja auch in Ihrer Gesellschaft gut aufgehoben und will nicht gleich einer bösen Schwiegermutter ein Störenfried sein —“

„O, dazu wird es nie kommen!“ entgegnete Buchler, verschmitzt lächelnd; doch die Räthin verstand ihn nicht und da Camilla freudestrahlend jetzt eben eintrat, sagte sie gut gelaunt: „Nun Kind, da mir unser Freund Buchler mittheilt, daß sich in den nächsten Tagen etwas vorbereitet, will ich Dir die Erlaubniß, mitzufahren, nicht versagen. —“