„Wie, Sie haben geplaudert?“ fragte Camilla erröthend.

„Nein, meine liebe Camilla,“ sagte Buchler, der schon fürchtete, daß das junge Mädchen, ihrem Drange nach Mittheilungen folgend, seinen ganzen wohldurchdachten Feldzugsplan stören werde; „bei mir heißt es nicht: Weß das Herz voll ist —“

„Nun, nun,“ drohte die Räthin mit dem Finger, „der Mund geht doch manchmal über, wenn er es auch nicht eingestehen will!“

Doch schon hatte Buchler, um sich auf keine Discussion einzulassen, Camilla’s Arm in den seinen gelegt und war mit ihr, höflich grüßend, hinausgeeilt.

Zufrieden lächelnd, blickte ihr die Räthin nach, wie sie in die elegante Equipage einstieg, und murmelte still vor sich hin: „Ist sie nicht ein rechtes Glückskind?“

IV.

Die Gesellschaftszimmer in der Buchler’schen Wohnung waren glänzend erleuchtet. Der Hausherr hatte all’ seine Bekannten und Freunde eingeladen, Frau Räthin Sturm die ihrigen; auch Camilla’s Freundinnen waren zahlreich vertreten, sie selbst erschien an der Seite ihrer Mutter in herrlichem Schmuck; eine rosa Seidenrobe, reich mit Rosen und Maiglöckchen garnirt, umgab die anmuthige Erscheinung; für Jeden hatte sie ein bezauberndes Lächeln, für Buchler einen herzlichen Händedruck; leise flüsterte sie ihm etwas in’s Ohr, worauf er in’s anstoßende Zimmer hindeutete. Der Räthin Blick folgte seiner Handbewegung, doch kaum glaubte sie sich halten zu können, als sie dort Dr. Richard, dem sie schon seit vier Wochen jeden Verkehr mit Camilla untersagte, stehen sah und gewahrte, wie er der Tochter soeben eine Kußhand sandte.

„Aber, bester Buchler,“ sagte sie, sich fassend, „wie konnten Sie Dr. Richard einladen?“

„Das wird Ihnen, verehrte Räthin, meine liebe, kleine Frau sogleich erzählen!“

Dies sagend, nahm er die vermeintliche Nichte, eine blühend hübsche Frau von ungefähr fünfunddreißig Jahren, an der Hand und sie der Räthin zuführend, fuhr er lebhaft fort: „Erlauben Sie, daß ich Ihnen zunächst meine Frau —“