„O, machen Sie keinen Scherz, spielen Sie keine Comödie!“ unterbrach ihn unwillig die Räthin.

„Mein Mann hat sich in der That einen kleinen Scherz erlaubt,“ nahm Frau Anna das Wort, „um —“

„Ihr Mann? Ihr Mann?“ unterbrach dunkelroth vor Zorn die Räthin.

„Herr Buchler, haben Sie es gewagt, meine Tochter in Verruf zu bringen, so —“

Sie ballte, aller Etiquette vergessend, drohend die schönen Händchen, die Worte versagten ihr, doch beherrschte sie sich, um Niemandem ahnen zu lassen, daß sie vor Wuth und Weh hätte aufschreien mögen.

Frau Anna, die offenbar Mitleid mit der dupirten Frau hatte, nahm ihren Arm und führte sie mit den Worten: „Ich werde Ihnen über Alles Aufklärung geben!“ in’s Nebenzimmer.

„Ah, Herr Professor!“ sagte sie, als sie anscheinend unvermuthet da den Dr. Richard gewahrte, „macht Ihre neue Würde Sie so stolz, daß Sie sich ganz von der Gesellschaft zurückziehen?“

Die Räthin horchte überrascht auf und Frau Anna, bemerkend, daß sie Ihren Zweck erreicht, fügte zu ihr gewendet hinzu: „Herr Professor Richard denkt in acht Tagen seine neue Stellung in Prag anzutreten!“

„Was höre ich?“ rief die Räthin, die mit einem Blick die Situation erkannt und beschlossen hatte, aus ihr den bestmöglichen Nutzen zu ziehen, „Sie sind zum Professor ernannt und lassen uns davon nichts wissen?“ fragte sie halb vorwurfsvoll, halb beleidigt.

„Sie vergessen, Frau Räthin,“ sagte der junge Mann würdevoll, „daß Sie mir seit Kurzem den Verkehr in Ihrem Hause untersagt haben und daß —“