„Aber mein bester Professor,“ unterbrach ihn die Räthin, ihr liebenswürdigstes Lächeln auf ihre Wangen zaubernd, „was ist eine Mutter nicht verpflichtet zu thun, wo es gilt, Ruf und Zukunft ihres Kindes zu wahren?“

„So würden Sie,“ sagte der junge Mann, die dargebotene Hand ergreifend, „dem Professor gestatten, was Sie dem stellenlosen Aspiranten versagten?“

Die arme Frau schien einen harten Kampf mit sich zu kämpfen, doch nur einen Augenblick. Die Gäste waren geladen, die Verlobung Camilla’s inscenirt, Buchler war bereits verheiratet — was blieb ihr übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen?

„Mein sehnlichster Wunsch ist,“ sagte sie mit Würde, „meine Camilla glücklich zu sehen; wenn Sie ihr, woran ich jetzt nicht zweifle, eine gesicherte Zukunft bieten können —“

„Das kann er,“ unterbrach jetzt Buchler, der hinter der Portiere Alles gehört; „ich übernehme die Garantie, daß unser Freund in zwei Jahren ordentlicher Professor ist, und bis dahin reichen, wie ich sicher weiß, seine —“

„Meine Camilla,“ unterbrach die Räthin selbstbewußt, „ist ja auch nicht mittellos, und wenn sie Sie gern hat, so —“

„Fräulein Camilla, Fräulein Camilla!“ rief jetzt Buchler in den Saal hinein, „kommen S’ mal schnell her und sagen S’ mal, ob Sie den da gern haben?“

Die Aufmerksamkeit aller Anwesenden war mit einem Male auf das kleine Cabinet gerichtet, auf das Camilla jetzt schnell zueilte.

„Ob ich ihn gern habe?“ rief sie, in Adalmar’s geöffnete Arme eilend und seine leidenschaftlichen Küsse herzlich erwidernd. Die Räthin zerdrückte ein Paar Thränen, man wußte nicht ob vor Rührung oder Wuth, sich so mystificirt zu sehen, Buchler umarmte seine Frau und stellte sie jetzt in aller Form den Anwesenden als die Herrin des Hauses vor. Professor Detmold ging still bei Seite und murmelte sich etwas von Treulosigkeit und Undankbarkeit in den grauen Bart, Frau Lorenz, die heute die denkbar schönsten Schmachtlöckchen gedreht und ihre großblumige Seidenrobe angelegt hatte, bekam plötzlich einen Weinkrampf und mußte auf ihr Zimmer geführt werden, doch all das hinderte nicht das Glück des jungen Paares, das jetzt herzlichst von allen Seiten beglückwünscht wurde.

„Nein, diese Ueberraschung!“ hieß es allerseits, „wir waren auf ganz etwas Anders gefaßt!“ „Ich weiß, ich weiß,“ sagte die Räthin halblaut, „doch konnten Sie im Ernst denken, daß ich Camilla’s Jugend- und Lebenslust den Launen eines alten, abgelebten Mannes opfern würde? Zudem,“ setzte sie stolz hinzu, „wußten wir ja längst, daß er verheiratet sei; wie hätte ich sonst meiner Tochter gestattet, so intim mit ihm zu verkehren!“