„Sehen Sie, gute Räthin,“ sagte eine alte Klatschschwester, „wie man Sie da ungerecht beschuldigt hat! Jedermann glaubte, man wußte selbst nicht, wer das Gerücht ausgesprengt, Camilla sei die Braut des —“
„Ha, ha, ha,“ lachte die Räthin anscheinend belustigt, „meine Tochter ist seit zwei Jahren mit Professor Richard versprochen, und wenn ich mir selbst hie und da eine kleine Mystification erlaubt, so geschah es nur, weil mich das Gerede belustigte, das sich, seitdem Herr Buchler zu uns gezogen, überall entsponnen.“
„Sind Sie mir böse?“ fragte der Hausherr die Räthin, als er eben erspäht hatte, wie sie allein in einer Fensternische stand.
„Ich schätze Sie zu hoch,“ entgegnete die kluge Frau, „um etwas an Ihrer Handlungsweise tadeln zu können, bin ich doch sicher, daß Adalmar nur Ihnen seine Berufung —“
„Pardon, wenn ich Sie unterbreche, Adalmar ist ein so kenntnißreicher talentirter junger Mann, daß, wie mir Professor Wenzel schreibt, er auch ohne jegliche Protection reussirt hätte!“
„Darüber habe ich nun so meine eigenen Gedanken!“ sagte mit abwehrender Bewegung die kleine Frau, „doch wie dem auch sei — Adalmar ist heute in einer Stellung, daß ich ihm gern meine Tochter zur Frau gebe, und Sie, Sie haben uns eine so herrliche, liebenswürdige Dame als Ihre Gattin vorgestellt, daß ich Sie nur bitten kann, unsere früheren freundschaftlichen Beziehungen aufrecht zu erhalten.“
„An Ihnen ist ein Diplomat verloren gegangen, liebe Räthin,“ sagte Buchler, der wohl erkannte, wie schwer es der Räthin wurde, gegen ihn in dieser Weise liebenswürdig zu sein, „aber auch meine Anna ist eine Diplomatin, und daß ich es Ihnen nur offen gestehe, sie ist die eigentliche Urheberin des ganzen Planes; als ich ihr mittheilte, wie sehr mich Ihre Camilla interessirt, wie sie unglücklich liebt und von dem Manne ihrer Wahl getrennt werden soll, da war sie es, die mir die Idee eingab, den jungen Leuten hilfreich zu sein, und, schrieb sie damals, wenn Du meine volle Anerkennung erringen willst, so manövrirst Du so, daß das Fest, das Du bei meinem Eintreffen geben willst, gleicher Zeit Camilla’s Verlobungsfest ist.“
„Nicht der gewandteste Regisseur,“ entgegnete die Räthin, „hätte das Stück besser in Scene setzen können — nur, lieber Herr Buchler, einen kleinen Vorwurf kann ich Ihnen nicht ersparen: Warum haben Sie mich nicht ein bischen hinter die Coulissen gucken lassen?“
„Ich habe strengstes Amtsgeheimniß gelobt!“ entgegnete Buchler, „und war für den Erfolg des Stückes meinem in Innsbruck weilenden Oberregisseur verantwortlich.“ Er schaute sich im Saal um, um seinen Oberregisseur zu suchen, doch dieser schien verschwunden. „Wo ist meine Anna?“ fragte er Professor Richard, „ich sah sie zuletzt mit Ihnen sprechen?“
„Man hat sie eben zu Frau Lorenz gerufen, die sie in wichtiger Angelegenheit zu sprechen verlangte!“