Ich blieb noch lange sprachlos, nachdem mein Freund geendet. „Das war eine schnelle Justiz!“ sagte ich endlich. „Kein irdischer Richter hätte so scharf und so gerecht strafen können.“ Die Worte des Dichters:

Das Leben ist der Güter Höchstes nicht,

Der Uebel größtes aber ist die Schuld

traten urplötzlich vor meine Seele. — Die Schuld war gesühnt, doch ein energievoller, in weitesten Kreisen hochgeachteter Mann war durch die Ränke und Treulosigkeit eines Weibes dem Ruine entgegengeführt worden. —

Glaubenskämpfe.

I.

Nachdenkend, den Kopf in die Hand gestützt, saß Susanne am Fenster. Sie war ein schönes, 18jähriges Mädchen, aus deren feurigen Augen Begeisterung, doch auch finstere Schwermuth sprachen. Die hohe, schöne Stirn war in tiefe Falten gelegt, ein convulsivisches Zucken umschwebte die Mundwinkel.

„O, wer giebt mir Klarheit, wohin ich mich wenden soll?“ rang es sich endlich aus dem bedrängten Herzen empor. „Ist die Religion, die unseren Vätern vor Jahrtausenden heilig war, noch berechtigt, in unserer Zeit gelten zu wollen? Kann ich denn noch beten, wie jene gebetet? Ist es nicht Entweihung der heiligsten Gefühle —“