Dieser blickte sie theilnehmend und aufmerksam an und stand eine Weile vor ihr, ohne ein Wort zu sprechen.
„Wie heißest Du?“ fragte er endlich.
„Anna Masson!“ erwiderte die Kleine zaghaft.
„Hast Du Eltern?“
„Eine Mutter, Herr!“ entgegnete das Kind.
Der Fremde wurde immer aufmerksamer. „Ganz seine Augen, seine Stirn!“ sagte er halblaut vor sich hin. „Wo wohnt Deine Mutter?“ fuhr er dann theilnehmend fort. — Sie nannte ein Haus in der Linienstraße.
„Willst Du mich zu Deiner Mutter führen?“ fragte der Fremde, nachdem er sie noch eine Weile aufmerksam betrachtete.
„O, Herr, ich mag ohne Geld nicht zu Hause kommen!“ entgegnete Anna, der nun wieder die ganze Schwere des erlittenen Verlustes auf die Seele fiel; „die Mutter ist so krank und —“
„Hier hast Du Geld!“ unterbrach sie der Fremde, ihr einen blanken Thaler in die Hand drückend, „doch nun komm!“
Anna aber stand wie festgewurzelt. Ein Strom Freudenthränen entquoll ihren Augen und während sie mit der einen Hand nach ihrem Körbchen griff, legte sie die andere in die dargebotene Rechte ihres Wohlthäters, der sie eilig mit sich fortführte. Bald schien er einzusehen, daß die Kleine zu schwach sei, ihm zu folgen; er nahm einen Fiaker und hob das zitternde Kind hinein. „Du wirst Hunger haben?“ fragte er, sich plötzlich besinnend. „Seit wann hast Du nichts gegessen?“