Susi’s Zustand war in hohem Grade besorgnißerregend. Sie fühlte in lichten Augenblicken, daß ihre Kräfte abnahmen, und bat die Mutter, falls sie nicht am Leben bleibe, Berthold Caspari an Dr. Zelt zu verweisen, der ihm eine Erklärung nicht verweigern werde, daß ihm ihr Andenken heilig bleibe.

„Du wirst leben, mein gutes Kind!“ beruhigte dann die Mutter; „Du wirst noch glücklich werden und an Deine Krankheit wie an einen bösen Traum zurückdenken!“

Susi schüttelte traurig das Haupt. Gern hätte sie sich ausgesprochen, nur hatte der Arzt jede Aufregung untersagt. Ihr Gatte war jetzt theilnehmend und herzlich, doch athmete sie jedesmal erleichtert auf, wenn er das Zimmer verlassen; oft wollte sie die Bitte aussprechen, man möge ihn nicht vorlassen, aber wie sollte sie dieselbe motiviren? Sie sehnte sich, Marie Caspari zu sprechen, doch der Arzt hatte jeden Besuch verboten. So war Susi wochenlang von jedem Verkehr abgesperrt, allein mit den quälendsten Gedanken, schwach und hilflos, denn die Reconvalescenz ging langsam von Statten. Sie saß in der That, wie sie es oft in ihren Fieberphantasien genannt, in einem goldenen Gefängniß! Ihr Gemal hatte, als sie das Bett verlassen durfte, Tag und Nacht an einem Gartenpavillon arbeiten lassen, der in dem geräumigen, an das Wohnhaus grenzenden Park eiligst errichtet werden sollte. Nach acht Tagen war er fertig, mit allem denkbaren Luxus und Comfort ausgestattet. Der Arzt hatte endlich den ersten Spaziergang erlaubt. Nur widerstrebend nahm Susi den Arm ihres Gatten, da sie sich zu schwach fühlte, um allein gehen zu können. „Du wirst Dich noch mit mir aussöhnen, Susi,“ sagte er bedeutungsvoll.

„Glaubst Du wirklich, daß mich jener verschwenderische Luxus erfreut?“ fragte Susi, als sie das goldgezierte Dach des Pavillons sah.

„Du wirst liebe Freunde dort treffen, Susi, wirst sie täglich sehen und in ihrem Umgang gesunden!“ sagte Stern.

„Ach, mein Herz hat kein Gefühl mehr für die Freundschaft!“ hauchte sie schmerzlich; „Du weißt, jeder Verkehr ist mir lästig, falls Besuch dort ist, komm’ laß uns umkehren!“

„Fühlst Du Dich stark genug, Susi, eine unverhoffte Freude zu kosten?“ fragte Stern.

„Ah, ich ahne, Du hast gewiß Marie Caspari geladen!“ sagte Susi leuchtenden Auges.

„Sie und noch Jemanden, Susi, an dem ich großes Unrecht begangen!“ entgegnete ihr Gatte.

„Das, das hättest Du gethan?“ rief Susi hochbeglückt. „O, dann sei Dir Alles verziehen!“ setzte sie schnell hinzu. „Ja, ich fühle mich stark und neubelebt;“ sie legte ihren Arm fest und innig in den seinen; es war ihm, als führte er nicht mehr die kranke, schmachtende Susi, sondern ein glückliches, freudestrahlendes Weib.