Jetzt hatten sie die Vorhalle des Pavillons erreicht; es war das erstemal, daß Susi ihren Gatten aus eigenem Antriebe küßte. Sie schloß ihn innig in ihre Arme und hauchte hochbeglückt: „Tausend, tausend Dank, daß Du in dieser Weise Alles gut machen willst!“

Die Flügelthüren öffneten sich; ein bleicher, hoher Mann mit eingefallenem Gesicht, das von schwarzem Vollbart umrahmt war, stand vor ihr. Sie reichten einander stumm die Hand, doch Marie fiel der Freundin zärtlich um den Hals und weinte Thränen reinsten Glücks.

Susi ließ sich erschöpft auf einen Sessel nieder.

„Es ist doch gut, daß Du mich vorbereitet hast“, sagte sie zu ihrem Gatten; „ich glaube, die Freude hätte mich getödtet.“

„Es war mein specieller Wunsch!“ sagte Caspari endlich; „Sie sind noch Reconvalescentin und bedürfen der Schonung.“

„O, nun nicht mehr!“ rief Susi hochaufathmend; „in dieser Luft, unter so guten, treuen Menschen bin ich plötzlich gesund und stark worden. Doch verzeih’,“ wandte sie sich an ihren Gatten, „ich wollte Dich nicht kränken! Auch Du bist gut, das fühle ich heute erst recht deutlich; aber die geistige Atmosphäre —“

„Nun will ich doch einmal nachsehen, wie die Parforce-Cur bekommen!“ unterbrach der plötzlich eintretende Dr. Senter.

„Ah, Sie sind ein guter Menschenkenner!“ sagte Susi, ihm herzlich die Hand reichend.

„Ja, Ihr wäret ja alle drei für Gott und Ewigkeit verlorene Menschen gewesen,“ entgegnete Dr. Senter, „wenn ich als Arzt nicht die passende Medicin gefunden hätte! Frau Susi gemüthsleidend, weil sie eine Horcherin gespielt (setzte er mit dem Finger drohend hinzu), Dr. Caspari verzweifelt, weil er in falscher Großmuth auf die Geliebte verzichtet, und nun gar mein herzensbraver Stern, der fast tiefsinnig werden will, daß er sich vor einem Jahre in verliebter Laune — eine — wie soll ich sagen — eine Zeitungsspeculation erlaubte.“ Ueber Stern’s Gesicht flog ein tiefer Schatten.

„Susi,“ sagte er bittend zu seiner Frau, „der beste aller Menschen hat mir verziehen, sag’ auch Du —“