„Um Gottes Willen, was ist mit ihm?“ schrie Susi in halber Verzweiflung.
„Ein Herzschlag hat soeben sein Leben geendet!“ hauchte Caspari tonlos.
Susi war zusammengesunken; das Leben schien auch aus ihrem Körper entwichen; doch plötzlich flammte sie auf: „O, das ist ja nicht möglich! Heut’ Mittag war er noch gesund und frisch“ —
Der Arzt trat ein und hielt sie zurück, wie sie eben das Zimmer verlassen wollte.
„Lassen Sie mich zu ihm!“ rief sie abwehrend.
„Kein Anblick für Sie! meine Gnädige,“ sagte er bestimmend. „Fassen Sie sich!“
Susi stand entsetzt; ihre Kraft war gebrochen. Machtlos ließ sie sich von Caspari auf ein Sopha führen; sie stierte die Männer an, als kenne sie sie nicht, doch bald eilte sie an die Wiege des schlafenden Kindes, stürmisch preßte sie es an ihre Brust und weinte bittere, leidenschaftliche Thränen.
„Eine Waise!“ jammerte sie in wildem Schmerze. „O, Du armes, unschuldiges Kind, was hast Du verschuldet, daß Dir der Vater“ —
„Lassen Sie mich ihm Vater sein,“ sagte Caspari, ihr das Kind entwindend, da er fürchtete, sie möchte es in ihrem wilden Schmerze zerdrücken.
Susi sah ihn groß und fragend an; dann schüttelte sie wehmüthig das Haupt und blickt lange gedankenvoll vor sich hin. Man erzählte ihr, wie Alles gekommen, sie schien nichts zu hören. Wieder bat sie, man soll sie zu ihm lassen — der Arzt fürchtete eine zu heftige Erschütterung.