Die arme Frau brach zusammen; wie ein Blitzstrahl durchzuckte es ihr gramumwebtes Herz, hier könne ein Verbrechen vorliegen. Dort das Testament, hier die Versicherung, die schreckliche Todesart, — Alles ließ sie vermuthen, daß — doch sie wagte das Schreckliche nicht einmal zu denken. Der Beamte kam ihrer Vermuthung zu Hilfe, indem er ihr mittheilte, daß Fels seine beiden ersten Frauen, die bei anderen Gesellschaften auch hoch versichert waren, gleichfalls durch plötzlichen Todesfall verloren. Wie Schuppen fiel es der unglücklichen Mutter von den Augen. „Zwei Frauen hat er schon gehabt?“ rief sie verwundert. „Als er die erste heiratete,“ entgegnete der Beamte, „war er noch Schuhmacher; nach ihrem Tode nannte er sich Rentier, ging bald wieder auf Freiersfüßen,“ er hielt inne, denn er sah, daß die Arme besinnungslos in einen Sessel gesunken war. Als sie wieder zu sich kam, war ihr erstes Wort, man möge Fels rufen. Dieser, Nichts ahnend, kam sogleich aus seiner nur wenige Schritte entfernten Villa herüber, da das Mädchen ihm von dem Unwohlsein ihrer Herrin sagte.
„Elender, feiger Mörder!“ herrschte sie ihn in mächtig hervorbrechendem Groll an; „warum hast du mein Kind umgebracht?“
Darauf war Fels nicht vorbereitet; geisterbleich, keines Wortes mächtig, stand er da, ein Sünder der, ohne zu beichten seine Schandthat eingesteht, als sein stierer Blick den Fremden gewahrte, brach er kraftlos zusammen; noch ehe Beweise seiner Schuld vorlagen, hatte ihn sein Gewissen verrathen.
„Im Namen des Gesetzes verhafte ich Sie!“ sagte der Assecuranz-Beamte.
„Wessen klagte man mich an?“ entgegnete Fels, dem jetzt seine Geistesgegenwart zurückgekommen.
„Drei Frauen elendiglich aus der Welt geschafft zu haben, um sie zu beerben!“ sagte der Beamte kurz.
„Sie sind mir Beweise für diese schändliche Anklage schuldig!“ entgegnete Fels jetzt mit frecher Stimme.
„Die Beweise wird Ihnen der Staatsanwalt geben!“ antwortete Jener, „jetzt haben sie zu folgen.“
Vergeblich wollte Fels an seine Verwandten appelliren — Alle wiesen ihn mit Entrüstung von sich.
„Ich folge Ihnen!“ sagte er endlich, „doch nur, um mich von einer schändlichen Verleumdung zu reinigen!“