Die Mutter schluckte ein wenig, nahm sich zusammen und wich scheu der Antwort aus, die, klar und für jedes Herz gültig zu geben, über Frauenvermögen ist.
„Kind, man kann eins nicht über das andere steigern und nicht den einen Zustand mit dem anderen vergleichen. Wer die Feierzeit des Brautstandes nicht nur durchjubelt, sondern auch zu ernster Einkehr nutzt, tut gute Vorarbeit für eine glückliche Ehe.“
Sie blieben ganz still. Der junge, blonde Kopf lag auf der Schulter der Frau, die in ernster Rührung vor sich hinsah. Und indem sie so zusammen schwiegen, fühlten sie sich in einer unzerreißbaren Einigkeit verbunden. Ihnen war, als seien Schranken zwischen ihnen gefallen, als seien sie nicht so sehr Mutter und Tochter als Trägerinnen eines Geschicks, Genossinnen in ein und der gleichen Bestimmung.
Um die Mittagszeit, wie es verabredet gewesen war, kam Emmich. Die Braut in ihrem Rosenhut, den von Rand zu Rand unter dem Kinn weg ein weißes, am linken Ohr geknüpftes Band hielt, stand schon bereit und zog sich gerade die weißen Handschuhe zum weißen Kleid an. Sie kannte es nicht anders als: Männer darf man nicht warten lassen, erstens mögen sie es nicht, und zweitens haben sie dazu keine Zeit.
Das Brautpaar wollte zu Jutta gehen, um die Mutter des fernen Kameraden respektvoll zu begrüßen.
Emmich küßte der Geheimrätin die Hand.
„Was sagst du — Reiswitz ist Erster geworden!“ rief Renate.
Er lächelte. „Reiswitz steht offenbar in Gunst und Gnaden bei dir.“
„Und wie! Denk mal, er war der erste von der Marine, der mir Glück wünschte. Und er machte es so nett. Es war vorgestern nachmittag ja gewissermaßen noch nicht offiziell.“
„So kommen Männer zu Meriten,“ scherzte Hochhagen.