„Das klingt verheißungsvoll,“ meinte Hochhagen. „Ich habe Renée auch etwas vorzutragen — nur, ich fürchte ... es wird sie nicht sehr erfreuen ...“
„O Gott — was Unangenehmes!“ rief die junge Braut. Und unfähig zu warten, aus einem Gemisch von Angst und Neugier heraus, fragte sie — und war doch ein bißchen blaß: „Mußt du morgen nach Samoa?“
Er lachte sie herzlich aus.
„Nein, Liebling, so flink kommt dergleichen dann doch nicht ... Zahnbürste einstecken ... Abschiedskuß ... auf Wiedersehen in zweieinhalb Jahren ... Aber ein bißchen unregelmäßig könnten meine Besuche in den nächsten Wochen immerhin werden ...“
„Lieber Emmich, sagen Sie’s nur schlank und klar heraus. Das mögen wir Frauen bei unangenehmen Sachen am liebsten. Wir haben ja alle zu viel Phantasie, und die arbeitet während einer Vorbereitung blitzschnell und malt gleich tausend Schrecknisse aus. Sie hörten es: Das Kind sah Sie schon nach der Südsee abfahren.“
„Na ... denn ... Also: der Erste Off’zier auf der ‚Thuringia‘ ist so kaputt — nervös — überarbeitet — daß er wohl auf ein paar Wochen oder länger in ein Sanatorium muß, sich mal gründlich kurieren ... Ich soll ihn ersetzen. Zunächst gehen wir nur die Woche über zu allerlei Schieß- und anderen Übungen hinaus und kommen Freitag abends wieder herein. Aber dann geht’s in die Nordsee — ein kleines Manöverpräludium bei Helgoland. Hieran schließen sich die großen Manöver in der Ostsee. Ob ich die auch noch mitmachen muß, kann ich heute nicht vorweg wissen und sagen. Krietzow — den ich vertreten soll — legt alles daran, sich rasch zu erholen — sein spezieller Landesherr, zu dessen Dynastie die Krietzows immer nahe Beziehungen hatten, will vom Bord der ‚Thuringia‘ aus den Manövern zusehen ... Also das schwebt im ungewissen — hängt von Krietzows mehr oder minderer Erholung ab — erst mal aber bin ich da fest ...“
In raschem Überblick, sowohl als Hausfrau wie als Mutter und Gattin, dachte die Geheimrätin, daß es gar kein ungünstiger Zustand sei, wenn so ein Verlobter fünf Wochentage sich nicht allabendlich zum zärtlichen Beisammensein einfinden könne.
Aber da Renate wirklich ein bißchen verhagelt aussah, klopfte sie ihr ermutigend die Wange und sagte heiter: „Also im Ernst gar keine Trennung, sondern nur eine kleine Übung — auch fürs Kind — um sich auf die Marinefrau vorzubereiten.“
„Ja, Mama — aber siehst du denn nicht — damit ist das andere doch auch entschieden ...“, sprach Renate. Schwer vor Enttäuschung war ihr das Gemüt.
„Jetzt geht nur ... das kannst du mit Emmich unterwegs besprechen ... geht nur, sonst stört ihr Frau von Falckenrott noch bei Tisch.“