Nun zitterte ihre Stimme und es kostete etwas, das Enttäuschungstränlein zurückzuhalten. An den Wimpern hing es aber doch.
„Oh ...“ Er war ganz betroffen. Ob das schön gewesen wäre! Und wie hätte man sich kennen gelernt! Miteinander eingelebt! — — Aber man war kein Luxusmensch. Man hatte einen rauhen, wichtigen Beruf. Man gehörte nicht sich, sondern einer grandiosen Sache. Und man war gewohnt, ohne Wimpernzucken zu verzichten.
„Das ist rührend von Papa ... Und du sagst, bis Anfang Oktober bleibt ihr fort ...“
Sie nickte seufzend.
„Ich könnte Urlaub nehmen — sowie Krietzow wieder dienstfähig ist — nur dumm, daß man heute nicht weiß: ist das vor oder nach ’m Manöver. Jawohl ... wenn ich dir sage, daß ich seit drei Jahren nie wirklichen Urlaub hatte — mal so zwei, drei Tage für eine Kameradenhochzeit, das war eigentlich alles. Was meinst du? Wenn ihr nicht irgendwo am anderen Ende der Welt sitzt, könnte ich doch noch nachkommen. Ja, sogar noch nach dem Manöver. Sonst früher. Alles hängt von Krietzow ab. Aber wie? Wenn’s denn auch nur nach dem Manöver anginge. Es wäre doch immer was?“
Ob es etwas wäre! Leider war man jetzt auf der Straße, ging gerade über den Klaus-Groth-Platz auf den Niemannsweg zu. Deshalb konnte Renate dem liebsten Mann nicht jubelnd um den Hals fallen. Nachdem schon alle Freude verloren gegeben war, erschien nun dieser Bruchteil davon, der doch noch vielleicht den Umständen abgerungen werden konnte, wie ein überwältigendes Geschenk.
Renate tanzte beinahe neben ihrem Kapitän einher. Und all ihre Freude strömte wie Liebesbekenntnis beseligend zu ihm hinüber.
Und allerlei Gedanken gingen, schwer von Glück und schwer auch von Mitleid und fast von Furcht, andächtig durch ihn hin: Welch ein Rückschlag für eine solche jubelnde, liebessehnsüchtige Seele, wenn sie sich plötzlich in Entsagung und Einsamkeit versetzt sieht. Ja, da mußte man wohl milde richten, wenn so eine Seele dann aus dem Gleichgewicht kam ... Arme Jutta! Und er fühlte: eine ganz besondere, reine Kraft — eine große, heilige Einfältigkeit muß ein Frauenherz haben, um Einsamkeit ertragen zu können ...
Sie, die Eine, Süße, die hier, beschwingt von Freude, in stillem Jauchzen neben ihm ging — sie hatte solche klare Kraft. — Er glaubte es ...
Zwei Seeoffiziere kamen ihnen entgegen: Die Gesichter beider Herren hatten den Glanz neugieriger und erfreuter Teilnahme. Es waren Bekannte Hochhagens. Man stand still, Glückwünsche wurden dargebracht, Renate sagte, kaum daß sie vorüber waren: „Wie sind sie nett.“