Wie das alles merkwürdig war: Rührend vor allen Dingen, aber doch auch verpflichtend, voll geheimen Ernstes — voll verborgener Tragweite ...

Endlich betraten sie Juttas Wohnung. Sie fanden schon Besuch vor: den Legationssekretär von Gamberg.

Gezwungen, in kühler Unterhaltung saß man dann im Balkonzimmer. Die alte Frau thronte auf dem Sofa, vor der bräunlichen Seidenwand, auf der Reiher von Goldstickerei lächerlich vornehm zwischen weißen, schimmernden Aprikosenblüten stelzten. Sie trug ein schwarzes Kleid mit einem schmalen, lila Westeneinsatz, der durch Haken geschlossen war, aber infolge ihrer Rundlichkeit zwischen den Haken ein wenig klaffte. Aus einer dieser Spalten kam das Schlänglein einer goldenen Uhrkette heraus, daran eine Troddel hing. Während des Sprechens nahm Frau von Falckenrott oft diese Troddel zwischen Daumen und Zeigefinger der Linken und spielte nervös damit.

Sie hatte einen gespannten Ausdruck voll versteckter Erregung. Wie jemand, der sich nicht am Platz fühlt, dadurch aber mehr gereizt und beleidigt als gerade unsicher geworden ist.

Jutta, in ihrem schlichten, weißen Kleid, sah sehr bleich aus. Sie tat genau das, was man „Konversation machen“ nennt. Sie versuchte unaufhörlich ein Gespräch zu unterhalten, das alle Anwesenden irgendwie zur Teilnahme daran bewegen mußte.

Hochhagen und Renate erfuhren, daß Herr von Gamberg gekommen sei, um Abschied zu nehmen.

„Ja,“ sagte er, „seit einigen Monaten habe ich mir das Vergnügen machen dürfen, nach Kiel zu fahren — die Montierung meiner Jacht zu verfolgen — ihre ersten Segelversuche — das hat mich unterhalten ...“

Hochhagen dachte, daß das nur ein Vorwand gewesen sei ... Herbert Gamberg war in der Vermögenslage, sich solche „Vorwände“ leisten zu können.

„Und das hat nun alles ein Ende? Die Fahrten nach Kiel? Das Interesse an der Jacht?“ fragte Hochhagen in gut erzielter Unbefangenheit.

„Ich trete jetzt meinen Urlaub an und nach seinem Ablauf meinen neuen Posten.“