„Ich hab’ immer gedacht, wenn’s mir so naheging, daß mein Junge so weit weg war: ja, an die Frauen aus der Franzosenzeit hab’ ich gedacht. Mein Mann hatte es von seiner Mutter und Großmutter erzählen hören: ihr Haar und ihren Trauring hat die Cornelie von Falckenrott auf dem Altar des Vaterlandes geopfert. Solche Opfer, auf einmal, wenn einen alles so hinreißt, das ist ja wohl immer leichter als die, die stille sind und lange währen. Aber ich hab’ mir dann gesagt: es hat ja einen großen Zweck.“
„Ganz gewiß,“ sprach Hochhagen warm, „das war gut und groß gedacht und gefühlt.“
„Ja, Mutter, du hast recht mit jedem Wort,“ sagte Jutta langsam.
Man wußte nicht recht, was man aus dieser Zustimmung machen sollte. Aber die alte Frau suchte einen Blick der Zufriedenheit an Hochhagen zu richten. Ihr war doch, als habe sie sich eben einen kleinen Sieg der Erfahrung und Weisheit über unbegreifliche Stimmungen der Jugend ersprochen. Das tat ihr wohl.
Sie wandte sich nun wieder zu Renate.
„Liebes Fräulein, Sie haben so ein ernsthaftes Gesicht bekommen. Ängstigen Sie sich nur nicht davor, daß Ihr Gatte in spe mal hinaus muß. Trennung facht Liebe meistens nur an. Das weiß ich aus Erfahrung. Wenn mein seliger Mann eine Inspektionsreise gemacht hatte — er war Oberforstmeister — Gott, ja, es ist doch eigentlich zu komisch, daß mein Malte so ganz in den Gegensatz gegangen ist. Meer und Wald ...“
So erzählte sie behaglich weiter und breitete ihre Gefühle von ehedem gern vor der jungen, respektvoll zuhörenden Renate hin.
Unterdes hatte Herr von Gamberg sich gezwungen, höflich zum Gespräch zurückzukehren.
Er erzählte Hochhagen einiges aus dem depeschierten Segelbericht, den Reiswitz wichtiger- und überflüssigerweise über den Sieg der „Freia“ geschickt. Man lächelte ein wenig und fand ein paar Handvoll Worte über die noch ausstehenden Sportveranstaltungen — Gamberg sagte, er werde nach Warnemünde fahren, um dort seine Jacht wiederzutreffen, die er mit nach Rügen zu nehmen denke — für kurze Zeit — man konnte aus seinen Worten, wenn man wollte, schließen, daß er vielleicht den Urlaub auf Rügen verleben wolle ...
Und dann errieten sich Hochhagen und Renate aus einem raschen Blick, mit dem sie gleichzeitig einander sagten: Nun können wir wohl gehen.