Man verabschiedete sich. Hochhagen kämpfte die Frage nieder: Wie wird es denn? Reisen Sie? Bleiben Sie? War das vorgestern abend Ihr letztes Wort in der Sache?

Er fühlte, es kam ihm nun nicht mehr zu, für den fernen Kameraden einzutreten.

Hier war seine Mutter! Wie sie auch für des Sohnes Rechte focht: klug oder töricht, man mußte ihrer Hand alles überlassen.

Die alte Frau von Falckenrott mochte nicht so schnell den Freund ihres Sohnes wieder verschwinden sehen. Sie hätte ihn am liebsten am Rockknopf festgehalten. Er war doch wie ein Teil vom Leben jenes fernen Lebens ...

Sie stand also mit auf, geleitete das Brautpaar durch das Zimmer und hielt es vor einem Zierschränkchen auf, wo ein Bild des Sohnes zwischen allerlei chinesischen Nippes aus einem blanken, japanischen Lackrahmen heraussah. Renate mußte es sehr aufmerksam betrachten, um die einzelnen Ähnlichkeiten in den Gesichtern von Mutter und Sohn festzustellen. Voll Genugtuung machte Frau von Falckenrott sie auf die gleiche Form der Stirnbogen und der Nase aufmerksam.

Auf den Flur ging sie mit hinaus und fing an der Klinke der Etagentür noch mit ausführlichen Kadettengeschichten an, deren sie sich aus ihres Maltes damaligen Briefen genau erinnerte. Man sah, Hochhagens und Rosenfelds junge Streiche standen noch frisch in ihrem Gedächtnis, als sei alles erst gestern gewesen, was diese drei mitsammen ausgefressen hatten. Und noch immer liebkoste ihr mütterlicher Stolz dankbar und bewundernd die Tatsache, daß es lauter harmlose Jünglingstaten gewesen seien.

Dies alles war unaussprechlich rührend. Und das alte Mutterherz befand sich bei diesen Gefühlsschwelgereien nur in seinem Recht. Renate schämte sich, daß sie die Frau nicht gern leiden mochte, und um dies vor ihrer Selbstkritik gutzumachen, zeigte sie nun ein dringliches Interesse an diesen alten, lachenden Geschichten.

Hochhagen aber erkannte gequält, daß die Mutter wohl in leidenschaftlicher Aufdringlichkeit der jungen Frau den Mann nahebringen wollte, in einem Augenblick, wo sie von ihm zurückzuweichen begann. Er wußte: das vertragen wenige Menschen — ermattende Liebe hat noch nie durch Zureden neue starke Kraft gewonnen.

Er war erleichtert, daß Renate ihm gutmütig und lebhaft das Gespräch mit der alten Frau fast ganz abnahm, bis man nach endlosen Verabschiedungen sich endlich trennte.

Unterdessen waren sie allein geblieben — Jutta und der Mann, der nun solchen bedeutungsvollen Abschied nahm.