Kaum daß die Tür sich hinter den dreien schloß, so trat er rasch an die junge Frau heran und nahm ihre Hand, sie mit pressendem Druck haltend.
„Daß dies meine letzten Minuten mit Ihnen sein müssen — vor solcher Trennung!“ sprach er in leidenschaftlichem Zorn.
„Ach, nichts ist mehr zu sagen — nichts,“ flüsterte Jutta ganz erschöpft von der Anstrengung. Sie fühlte nur: immerfort muß ich mich verteidigen — gegen alles und alle und gegen mich selbst — ich kann nicht mehr ...
„Sie werden mir schreiben — Ihre Entschlüsse, Ihre Stimmungen,“ drängte er.
Sie schien nicht zu hören. Sie sprach vor sich hin.
„Schuldig komme ich mir vor — und bin mir keiner Schuld bewußt. Die alte Frau setzt mich ins Unrecht ... irgendwie — von selbst ... Nur, weil sie da ist ...“
„Trennen Sie sich von ihr, so rasch, als es mit Schicklichkeit geht — ganz unbeeinflußt von ihr und von mir sollen Sie über sich entscheiden — darum flieh’ ich ... Eine Flucht, die mich etwas kostet ...“
Er küßte ihr die Hand, heiß und schweigend.
Er brauchte ihr nicht noch einmal zu sagen: willst du mein sein, erstreite ich dich von dem Mann und seiner Mutter — in offenem Kampf ... Glück, hinterrücks gestohlen, verbietet sich uns ...
Sie stand zitternd. Sie fühlte wohl — ihr Leben und das der Männer lag in ihrer Macht — Macht? Ach nein — Unschlüssige haben keine Macht ... Und als dumpfe Angst drückte sie das Gefühl, daß der Stärke ihres Temperaments keine klare Stärke des Willens beigesellt war ...