Du hast mich allein lassen müssen. Die höhere Sache, die wichtiger ist als das Einzelschicksal einer Frau, die nicht leicht mit sich zurechtkommen kann, die verlangte das von Dir.
Meine Lage bringt es demnach mit sich, daß ich nun durchaus selbständig über die Formen meines Lebens mich zu entscheiden habe. Du bist zu fern, um mich beraten zu können. Aus solcher Ferne kann man in das Herz und in die Tage einer Frau nicht deutlich hineinsehen.
Aber wenn Du auch nicht mit Deinem Rat bei mir sein kannst, so bist Du doch in einer anderen Weise allgegenwärtig in meinem Leben: mit Deinem Namen, Deiner Ehre!
Mir ist, als müßte ich Dir das wie ein Gelöbnis in einem Augenblick sagen, wo ich meine unklaren Gefühlszustände Dir eingestehe.
Für das, was in meinem Herzen, mir selbst ein trauriges Rätsel, vorgeht, bin ich nicht verantwortlich.
Aber für meine Handlungen bin ich es und will es bleiben, damit ich immer Dir und Deiner Mutter frei in die Augen zu sehen vermöchte.
Deshalb wünsche ich, Dir genau meine nächsten Schritte zu erklären. Deshalb habe ich Dir noch einmal ins Gedächtnis zurückgerufen, was wir ja schon so oft vor Deiner Ausreise besprachen, daß ich bei meinem Vater eine Zuflucht nicht suchen kann.
Ich sagte: ich wolle fort, weil ich, unter ganz fremden Menschen, unter neuen Eindrücken einsam lebend, mich recht prüfen zu können hoffe.
Nun fügt es sich aber so, daß ich doch nicht einsam sein soll, und daß ich die Gesellschaft, die sich mir anbietet, nicht abweisen kann, ohne undankbar, ja, ohne auffallend zu erscheinen.
Ich werde mit Emmichs Braut und deren Eltern nicht geradezu reisen, aber doch mich mit ihnen an benachbarten und an gleichen Orten zusammenfinden.