Weinend sank sie in sich zusammen und legte ihr Gesicht in die verschränkten Arme auf den Tisch.
Lisbeth Rosenfeld kam.
„Ach, Liebes,“ sagte sie, „dies ist ja schrecklich! Wie oft sind wir hier himmlisch vergnügt gewesen. Weißt du noch auf eurer ersten Gesellschaft? Malte hatte Lampenfieber. Man sah es. Ich freute mich halbtot. Denn wie Männer so sind: anderswo war er immer gewaltig kritisch, wenn er merkte, daß der Hausherr oder die Hausfrau Unruhe hatten. O — und euer Bursche — es war himmlisch — wie im Lustspiel — weißt du noch, er hielt die Hand oben auf die Sektflasche, damit nichts heraussprudle — wir kamen um vor Pläsier — er merkte, der arme Kerl, daß wir über ihn lachten ... Hör’ mal, überhaupt: du bist ein Geizkragen. Ich hätte alles stehen lassen bis zur Rückkehr nach einem Jahr oder so ... Malte ist ja wohl nicht sentimental — aber ich denk’ mir: es wäre mehr Heimkehrstimmung gewesen, wenn er dich in diesen vier Pfählen wieder vorgefunden hätte. Und du denkst an Sparen von Steuern und Miete.“
„Ich würde mir einen Vorwurf daraus machen, wenn meine Reise mein Budget in Unordnung brächte.“
„O Gott, wie weise! Hör’ mal, du Liebes: ich sagte, Malte sei ja wohl nicht sentimental — ich will dir mal ’ne Beobachtung anvertrauen: alle sind sie ein bißchen sentimental — so in ’ner letzten geheimsten Gemütsecke. Ist dir noch nie aufgefallen, daß nirgends so viel Blumen verschenkt werden wie in der Marine? Ja — an Bord wächst das Blümlein Poesie nicht, und auf dem Meer grünt kein Frühling ... Da ist ihnen, als müßten sie an Land alles Schöne und Liebe in die vollen Hände nehmen. Na — und so, in ’ner gewissen Ideenverbindung mit sentimental und so weiter: aufrichtig: Malte findet sich vielleicht schwer zurecht, wenn er heimkommt: ’ne neue Wohnung — ’n Kind — fabelhaft viel neue Bekanntschaften auf einmal.“
Jutta lächelte mit Mühe. Sie machte eine Handbewegung, die ungefähr auszudrücken schien: Ach, das ist noch so lange hin ...
„Könnt’ ich dir bloß meine Lebensauffassung beibringen! Du bist zu schwerblütig, Liebes. Man muß das Leben nehmen, wie es ist, und die Feste feiern, wie sie fallen. Du bist immer so gewissermaßen in den schwarzen Mantel der Tragik eingehüllt.“
„Das ist wohl Temperamentsache.“
„Gewiß. Aber so ’n bißchen kann man sich auch was abtrotzen. Ich weiß recht gut: die Trennung, und daß deine Kleine kam, während Malte fort war, das hast du so merkwürdig mühsam getragen. Herrjes — er kommt ja wieder. So ’n Ehemann, der’s gut zu Haus hatte, der läuft einem nicht weg. Und dann Baby ...“
Sie lachte hell auf. Ihr fiel ein riesiger Spaß ein.