„Das hab’ ich dir ja wohl nie erzählt, die berühmte Geschichte mit meiner Lite? Die war doch in Erscheinung getreten, als Hektor in Westindien war. Na, als das Schulschiff heimkam, heckte ich mir was Famoses aus. Wir wohnten damals mit Platows in einem Haus. Ich hole mir also die kleine Platow, die war zwar ’n paar Wochen älter als Lite — aber was weiß ’n Mann davon ... ich pack’ beide Gören in ein Bett und sage: ‚Lieber Hektor, suche dir gefälligst Fräulein von Rosenfeld, deine Tochter, aus!‘ Und er sagt — kannst du es wohl glauben? — sagt schlankweg: ‚Die!‘ Und tippt mit kolossaler Unfehlbarkeit auf das Platowsche Wurm. Es sah natürlich schon nach mehr aus als unsere kleine Lite, die kaum sechs Wochen war. Nu, und da hatte seine Männereitelkeit das Gefühl: das beste Exemplar von diesen zwei Wickelkindern gehört selbstverständlich mir! Ach, was haben wir gelacht! Noch immer muß ich lachen, wenn’s mir wieder einfällt.“

„Du hast viel Talent, aus dem Leben ein Vergnügen zu machen,“ sagte Jutta.

„Gottlob. Deshalb würde ich auch zum Beispiel nie mit einem kleinen Kind reisen. Liebes — ernsthaft — findest du es richtig?“

„Warum sollte es nicht richtig sein?“ fragte Jutta überrascht, „ich gehe ja mit dem Kind in ein Klima, das besser ist als das von Kiel.“

„Klima? — Na ja, das wohl. — Na, das ist auch deine Sache. Also, Liebes: warum ich hauptsächlich komme: wir planen ein Abschiedsfest für dich.“

„Nein,“ bat Jutta mit heißem Gesicht, offenkundig entsetzt. „Das tut mir nicht an.“

„Sonnabend muß es sein, dann sind die Schiffe im Hafen.“

„Ich flehe dich an ... nein. Ich käme nicht.“

Und zuletzt mußte Lisbeth Rosenfeld das Unfaßliche wohl einsehen: Jutta wollte kein Fest.

Aber da ihr während der Debatte einfiel, daß man ja ebensogut zu Ehren von Renate und Emmich, vor Abreise der Braut, ein paar Freunde zum Abendessen bitten könne, tröstete sie sich. Wenn ihr nur von irgendwoher aus der Ferne eine Fiedel im Ohr klang, war sie mit der Welt und sich zufrieden.