Das war also Lisbeth.
Und Renate kam und wollte durchaus helfen. Sonst, sagte sie, müsse sie der Mama tüchtig an die Hand gehen, wenn die in den Vorbereitungen zur großen Ferienreise stecke. Aber diesmal heiße es: Du bist Braut, hast Festtage. Und so habe Mama Heinz und Fips ganz allein wegbesorgt, und sie seien schon mit ihren Pensionseltern nach Sylt abgereist. Mama sei doch unbegreiflich tüchtig, klug und aufopfernd.
Voll Begeisterung für die Eigenschaften ihrer Mutter sagte sie es.
Nun sei es merkwürdig still im Haus. Störenden Lärm dürften Heinz und Fips ja nie machen, aber es wäre immer solch drolliges, unterdrücktes Rumoren. Und man könne gar nicht beschreiben, was für ehrliche und couragierte Jungens es seien.
Vor zärtlicher Schwesterliebe glänzten ihr die Augen.
Jutta wollte aber nicht erlauben, daß man ihr beistehe: fremde Hände könnten nie helfen; ehe man sie leite, habe man alles selbst getan.
Die junge Braut bedurfte aber irgendwie der Nähe der neuen Freundin. Hier fand sie für alle ihre Fragen und all ihr unersättliches Interesse am Beruf des Verlobten gewissermaßen sachverständige Antworten. Sie sagte: Papa necke sie schon sehr. Ehedem habe er sich für einen leidlich unterrichteten und autoritativen Mann auf einigen nicht unwesentlichen Gebieten des Wissens gehalten, aber jetzt sehe er ein, daß er sich vor seiner Tochter nicht mehr behaupten könne, weil ihm die Abzeichenunterschiede zwischen einem Steuermannsmaat und einem Obermaschinenmaat nicht geläufig seien.
Sie erzählte es mit strahlendem Lächeln, verliebt in den munteren Humor ihres berühmten Papas.
Jutta dachte: „So viel fröhliche und zärtliche Harmonie in einer Familie habe ich noch nie gesehen.“
Und weiter dachte sie: „Warum verläßt das holde Geschöpf diesen ihren sicheren, hellen, warmen Platz — zu welchen Schicksalen? Ach, das Leben fängt für uns erst richtig an, wenn wir es als Frauen verantwortlich zu tragen haben.“