Und zuletzt Tage, in denen es sie beleidigte, weil es nur noch die ungünstigen Ähnlichkeiten mit der Mutter aufzuzeigen schien.
„Was sind Karikaturen?“ dachte Jutta; „gar nichts Gefährliches sind sie. Sie entadeln uns wohl wie unter huschendem Blitz diesen oder jenen charakteristischen Zug; aber die Übertreibung löst alles so auf, daß das Komische einem doch die wahre Erscheinung nicht verdirbt. Verderblich sind nur die Ähnlichkeiten mit dem Banalen. Ein geliebter Mensch kann ohne Gefahr einem Raubvogel, aber darf nicht einem Haushuhn ähnlich sehen.“
Nun stand das Bild da und forderte einen Entschluß.
Es konnte hier nicht bleiben. Wenige Stunden noch, und derbe Männerfäuste würden den Schreibtisch forttragen.
Ich will es nicht mitnehmen, fühlte Jutta. Ihr war: dann reist die ganze Vergangenheit mit und alle diese marternden Fragen, die mich nicht zur Klarheit kommen lassen.
Sie wollte ja ganz frei sein. Ihr Frauenleben sollte noch einmal von vorn anfangen. Durch den Brief an Malte, deuchte ihr, hatte sie ihre seelische Freiheit auf eine ehrliche Art zurückgenommen.
Sie mußte noch einmal über sich entscheiden, ob sie ihres Mannes Frau wieder werden wollte — konnte — wenn er heimkam. —
Und wußte doch schon unter all diesen Gedanken, daß sie es nicht wollte — nicht konnte.
Nein, das Bild mußte zurückbleiben.
Es sollte gleichsam mit begraben werden in dieser tiefen Kiste, darin all die bunten und anmutigen Dinge ruhten, die ihm gehört hatten.