Und plötzlich, in all diese Empfindungen, die überschwer waren von Not um die höchsten Dinge ihres Lebens — ganz plötzlich tat es ihr leid, daß all die hübschen fremdländischen Sachen ihr nicht mehr mit gehören würden. Sie stand wie benommen vor Staunen, fast vor Entsetzen. Das gab es? Durch das von Trauer ganz erfüllte Gemüt konnte solcher Gedanke gehen? ...

Blitzte die Wahrheit vom ewig Gestrigen warnend auf? Würde sie immer und immer, und ginge sie ganz aus Maltes Leben fort, die phantastisch bunten und doch so traulichen Räume vor sich sehen, in denen sie mit ihm gewohnt hatte?

Wozu hatte sie sie dann zerstört? Sie begriff mit einem Male das Uneingestandene: sie hatte gewähnt, etwas ganz auslöschen zu können, als sei es niemals dagewesen. Und wußte jetzt: das kann man nicht ...

Sie nahm sich zusammen. Raffte sich aus der jammervollen Wehmut auf, die sie fassungslos machen wollte. Und schlug das einsame Bild sorgsam in Seidenpapier, damit es geschont und geschützt läge zwischen dem Heu, obenauf in der Kiste, die schon fast voll war von den hübschen bunten Dingen ...

Mit zitternden Händen mußte Jutta ein wenig umhertasten — ob nicht da unter dem Heu verborgen kantige Gegenstände waren, die das Glas des Bildes durchstoßen konnten ...

Nun war ein Platz geschaffen — eine sichere kleine Mulde — wie ein Bett ...

Sie paßte das Bild hinein ... da konnte es wohl sicher liegen ... Jahre und Jahre ... denn wer wußte, ob der Mann, dem dies alles gehörte, jemals den — Mut haben würde, diesen Kistendeckel, diesen — Sargdeckel zu öffnen ...

Sie schluchzte auf — sie stand noch zaudernd. — Und nahm das Bild und ging raschen Ganges, es in ihren Reisekoffer zu verstecken ...

VII

Über das gewaltige Bild des Sees, der ihn umschrankenden Alpen und des Himmels, der kein blaues Gewölbe war, sondern ins Unbestimmte verschwebender Äther, schien Silberstaub ausgeschüttet, der, von der Luft getragen, ruhig in ihr stand.