„Papa, ich hab’ nur noch zwanzig Franken — aber die geb’ ich aus, wenn ich was Niedliches für Emmich finde.“
„Wenn du meinst, daß rauhe Seemänner geeignete Empfänger für Niedlichkeiten sind! Und wenn du sicher bist, morgen eine neue Geldquelle zu finden ...“
„Todsicher!“ und Renate hängte sich in ihres Papas Arm, um ihm vorweg seine angestammten Bankierspflichten angenehm zu machen.
„Ich sehe mir mal unterdessen die hydrotherapeutische Anstalt und die Bäder an. In einer Stunde können wir uns oben im Hotel treffen. Aber mehr als das akademische Viertel gebe ich euch nicht. Wenn ihr dann nicht da seid, esse ich allein.“
„Wir sind präzise,“ versprachen Frau Gervasius und Jutta aus einem Munde.
So trennte man sich. Der Geheimrat ging den Kai entlang, an dessen äußerstem Ende, auf hohem Sockel, der General Dupas mit feldherrnmäßiger Geste den bronzenen Arm in die Seite stemmte, während hinter seinem metallenen Dreimaster die duftige Ferne blaß dämmerte. Hier am Kai lagen die Anstalten, die der Geheimrat besuchen wollte.
Sehr langsam wanderten die Damen in die Stadt hinauf. Sie sahen bald: die Prachtbauten am Ufer waren wie eine neue Fassade vor einem alten Haus. Drinnen im Städtchen, im krassen Gegensatz zu allem breiten architektonischen Prunk, gab es noch schmale, düstere, kleine Gassen. Und ganz eng war die, die sich auf mittlerer Höhe hinzog und Laden an Laden zeigte. Wäre dieser merkwürdige Rahmen nicht gewesen: die Gasse mit dem bedrängten Raum, die Fronten kümmerlicher Häuser, die Schmalseite der Auslagen: man hätte sich wirklich nach Paris versetzt fühlen können. So viel Luxus lag hinter den Fenstern für Käufer bereit: Schmuck und Antiquitäten und alles, was überkultivierte Menschen zur Pflege ihres Körpers etwa brauchen könnten.
Eine weltstädtische Menge drängte sich in der schmalen, verschatteten Straße. Sie hatte den ausgesprochenen Charakter der Pariser auf Reisen. Merkwürdige Morgenanzüge sah man bei den Herren — Rock, Weste und Sakko von drei verschiedenen Farben und Stoffen; viele trugen auch nur das seidene, farbige Hemd mit buntem Gürtel unter dem Rock, den die Hände, die in den Hosentaschen stachen, zurückrafften. Andere waren ganz in Weiß gekleidet. Die Eleganz der Damenwelt hatte mehr Einheitlichkeit und war von einer farbenfröhlichen Grazie bestimmt. Man stand in lachenden Gruppen zusammen und war unbegreiflich laut. Man flanierte hin und her.
Die drei Damen standen vor den Schaufenstern. Frau Gervasius schlug vor, man wolle straßauf, straßab erst einmal alle Auslagen betrachten.
Die Verlockungen waren stark. Überall schien eine Fülle großartiger Gegenstände für die volle Börse bereit; überall auch eine unübersehbare Menge von entzückenden Kleinigkeiten, an denen überraschend niedrige Preise standen.