Der Geheimrat, der den in der am Kai spazierenden Menge von ihm Aufgefischten wohlwollend und gewissermaßen vorführend am Arm gefaßt hielt, nahm die Antwort vorweg.
„Zufälle negiere ich. Auch hier. Nichts konnte natürlicher sein, als daß ich Herrn von Gamberg traf ...“
„Der von seinem neuen Vorgesetzten zu einer Besprechung herberufen wurde,“ ergänzte Gamberg selbst und küßte den Damen die Hand. „Exzellenz Plaß braucht hier die Kur.“
Nun hielt er Juttas Hand in der seinen. Er fühlte: ihre kalten Finger zitterten ... Ihre Blicke trafen sich. Die seinen hatten ihr sagen wollen: „vergib — dies ist nicht meine Schuld.“ Er las in dem ihren eine vollkommene Fassungslosigkeit.
Um ihr zu helfen, wandte er sich gleich sehr lebhaft an die Geheimrätin, die schon eifrig fragte, ob die Gräfin Plaß auch hier sei, und ob sie die zwanglose Liebenswürdigkeit des Umganges sich bewahrt habe, mit der sie früher in Kopenhagen alle Menschen zu bezaubern verstand.
„Papa, ich finde es schändlich, daß du ohne uns zu essen begannst.“
„Mein Kind,“ sprach der Geheimrat, „ich hatte euch das akademische Viertel gelassen. Es war überschritten. Zu Hause habe ich nichts zu sagen. Ich genieße es als Ferienerholung, meine Herrenstellung zu betonen.“
„Alles dreht sich zu Hause um ihn, einfach alles,“ versicherte lachend die Geheimrätin.
Inzwischen entdeckte Renate aber, daß ihr Papa keineswegs das Menü des Gabelfrühstücks in Angriff genommen hatte, sondern sich zur Beruhigung seines dringlichen Appetits nur mit einigen Ölsardinen befaßt haben konnte.
Man scherzte lebhaft, und der Geheimrat sprach von Pseudomännlichkeit, die sich zu keiner freien Herrentat mehr aufzuraffen vermöge und nur leer drohe. Jutta sah auch, daß fünf Gedecke auf dem Tisch standen, und begriff, daß Herbert die nächsten Stunden mit ihnen verbringen werde.