Sie hörte es auch gleich.
„Aus der Dringlichkeit, mit der ich Herrn von Gamberg einlud, mit uns zu frühstücken, muß er geschlossen haben, wie schlecht es mir allein unter drei Frauen geht. Macht-, willen-, hilflos — ganz und gar.“
„Glauben Sie ihm kein Wort,“ sagte Jutta. Sie hatte sich in die Hand bekommen — ihre Miene, ihre Stimme.
„Mit Frau und Tochter würde ich schon fertig. — Als man mir verhieß, ich dürfe unsere Freundin ein wenig mit an — ich sage nicht: in! — meinen Vaterarm nehmen, war ich sehr befriedigt. — Nicht wahr? Das versteht sich. Wer so viel mit brüchigem Weibstum sich abplagen muß, kann wohl schmunzeln, wenn er mal eine schöne Dame behüten darf. Aber mit dieser schönen Dame werde ich auf das unerhörteste tyrannisiert! Immer, wenn ich zu irgendeiner Sache keine Neigung habe, heißt es: aber Papa — wegen Frau Jutta mußt du ... Und muß dies und muß das. Und mußte heute früh um sieben Uhr vom Hochgebirge niedersteigen, weil die schöne Dame Sehnsucht ans andere Ufer hat.“
Und diese Klage wurde eine Huldigung durch Ton und Blick. Man lachte.
Der Geheimrat unterbrach den Vortrag über seine schlechte Stellung durch eine Frage.
„Sollte Frau von Falckenrott in ihrer ahnungsvollen Nervosität vorausgefühlt haben, daß sie hier einen besseren Kavalier fände, als ich einer bin? Bei der neuen Freundin abgesetzt! Bei der Tochter abgesetzt! Frau, mein vielenttäuschtes Herz flüchtet zu dir.“
„Ich bin aber keine Lustspielfrau, die verzeihend im Schlußbild die Arme öffnet, wenn der Schwerenöter faut de mieux reuig begeistert ausruft: Alte!“
Jutta saß mit blassen Lippen. Sie wußte, der Geheimrat scherzte harmlos. Er jonglierte gern ein bißchen mit einer Neckerei.
Und doch traf es sie. Ja, sie hatte es gewußt ... daß man einem Erlebnis entgegenfahre ... Solch drohendes Vorgefühl hatte sie jäh übermannt.