Die Mahlzeit wurde aufgetragen. Gang um Gang. Sie war für feinschmeckerische Menschen gefällig anzusehen und zu essen. Der schwerflüssige, duftende Ivorne, der die Feurigkeit des weißen Bordeaux mit der Poesie der Rheinweine vereint, leuchtete gelbgolden in den feinen Gläsern.
Ein linder Hauch, kaum Wind zu nennen, spielte durch die Luft und blies ihre Hitze fort.
Drunten stieg das am Hang klebende Gehocke der Häuser nieder und wurde von den Wipfeln der Platanen wie von einem grünen Strich gegen den See abgegrenzt.
Der blaute weit hinaus, eine Fläche von durchleuchtetem Glas. Und ganz fern, mehr geahnt als gesehen, am Jenseitsufer, schimmerte Lausanne.
Der Himmel war nun ein saphirnes Gewölbe geworden und prangte in den Vollfarben der Mittagshöhe. Ja, das war eine gute Ferienstunde. Aber vielleicht wurde sie doch nur von dem Ehepaar in ihrer völligen Schönheit genossen.
Renate verstummte allmählich. Und Jutta hatte sich von vornherein nur gezwungen, zuweilen ein karges Wort, das unbefangen klingen sollte, in die Unterhaltung zu werfen.
Die führte nun Herr von Gamberg mit dem Geheimrat unter der aufmerksamen und mitsprechenden Teilnahme seiner Frau. Sie redeten eifrig über einige politische Fragen, die eben den Tag bewegten.
Renate sah die Freundin an. Wie blaß sie wieder war. Und ein wenig senkrecht zusammengezogen war die Stirn — zwischen den Brauen, über der Nasenwurzel stand wieder diese Falte, die dem Gesicht jenen Ausdruck strenger Leiden gab ...
„Wüßte ich nur, was diese unruhige und geheimnisvolle Traurigkeit bedeutet,“ dachte sie. „Sie hat doch auch gejubelt — damals, als sie Braut wurde ... und gedacht, sie könne immer froh bleiben in Liebe, auch wenn er weit, weit fort sei.“
Es war so beängstigend, zu sehen, daß Liebe nicht immer zum Glück führt ...