Er fühlte: dieser Aufforderung mußte augenblicklich Antwort werden — entweder ein freundlich begründetes Nein oder ein zwangloses, unauffälliges Ja.
Er sah Jutta an ...
Und er sah in ihren Augen ein heißes, dringendes: Bleibe!
„Die Gemeinde Chamonix wird Sie verklagen, Herr Geheimrat, weil Sie den Zustrom von Fremden ablenken,“ sprach er; „nach solcher Schilderung würden Sie mich ja für geschmacklos halten, wenn ich nicht mit Ihnen führe.“
Man stand auf. Der Geheimrat ging ins Hotel, um zu bezahlen und den Weg nach dem Bahnhof zu erfragen.
„Weit. Heiß. Ansteigend!“ verkündete er dann. „Also Wagen.“
Und es schien, daß Gervasius’, ohne Worte darüber zu wechseln, aus einer selbstverständlichen Annahme heraus, es für Juttas Wunsch hielten, mit dem Mann zu fahren, der ein wenig ihr Verwandter, aber jedenfalls auch ein Jugendbekannter war.
Die Geheimrätin verteilte die fünf Personen auf die beiden vorfahrenden offenen Wagen, und so stiegen Jutta und Gamberg in den zweiten, während im ersten der Geheimrat, auch gegen die eigene junge Tochter galant, auf dem schmalen Rücksitz sich unterbrachte, wobei sein Panamahut sich am Rocksaum des Kutschers scheuerte.
Bergab und -auf zog sich das weißstaubige Band der chauffierten Straße, über zehn Minuten hatte man zu fahren. Die Stadt blieb zurück. Ab und zu klebte eine Villa am jäh zum Wasser sich senkenden Hang; mit ihrem Dach und ihren obersten Stockwerken sah sie über den Waldessaum empor, mit ihrem Fundament wurzelte sie tief darunter im Felsen. In der beizenden Helle lag tiefab der See, und ein Silbergeriesel ging in zartem Gleichmaß der Bewegung über seine Fläche.
Jutta fühlte sich wie betäubt. Ihr war, als sei dies mehr, als sie zu bewältigen vermöge: der Überreichtum dieser Landschaft und darin die Nähe des geliebten Mannes ...