Die Jungfräulichkeit war ihrer Seele zurückgegeben und sehnte sich nach Erfüllung und nach all dem wonnigen Erleben des Weibtums.
Phantastische Vorstellungen bedrängten sie.
Wie — wenn er nur gesagt hatte „übermorgen“, um zu verstecken, daß er meinte: „diese Nacht!“ Wenn er dort zwischen dem Dunkel der Stämme wartete — von Sehnsucht ruhelos wie sie, von Verlangen krank wie sie ...
Heiße Reue kam. Weshalb nahm ich mir eine Gefährtin mit hinein in diese Sommernacht?!
Wär’ ich allein! Vielleicht rief’ er leise: komm — komm ... Und ich huschte hinab zu ihm — in seine Arme — an seinen Mund ...
Purpurn war wieder die Sommernacht, und ein heimliches Brennen war in ihr, das alle Nerven anspannte und alles Leben steigerte, so daß es schien, als müsse ein Blitzstrahl der Erlösung niederflammen — irgendwoher ...
Sie zitterte — sie seufzte. Und legte die Stirn auf die harte Kante des Geländers.
Da fühlte sie einen Arm um ihre Schultern, eine Wange legte sich gegen ihr Haar, und ganz leise, vor Zärtlichkeit und Mitleid förmlich vorsichtig, fragte die junge Stimme: „Sehnst du dich so sehr nach deinem Mann ...“
Jutta fuhr empor.
Ihre Leidenschaft vergaß alles: Verschwiegenheit, Schonung, Vernunft ...