Sie warf sich in die Arme des Mädchens und brach in Tränen aus.
„Nein — nicht nach ihm — zurück sehn’ ich mich — zurück in meine Jugend — noch einmal möcht’ ich über mein Leben entscheiden — frei — wissend. — Ach Kind — geliebtes Kind — wir verstehen uns selbst ja nicht — nichts wissen wir von uns — nichts — als bis es zu spät ist ...“
„Du liebst Malte nicht mehr?“ fragte Renate entsetzt — fast lautlos.
„Nein! Ich weiß nicht — nein — gewiß nicht — ich weiß jetzt nicht: habe ich ihn je geliebt? Aber siehst du — dies dumpfe Gefühl von Täuschung — von Enttäuschung, das mag in hundert Frauen schlummern — im Untergrund ihres Wesens liegt es — und kommt nie herauf. Niemals, denn der Mann ist ja immer da, mit seinen Rechten, seinen Ansprüchen, seiner Gegenwart, die zugleich immer die Vergangenheit und die Zeit erster, holder Illusionen frisch hält. Da kann das nicht erwachen, nicht wachsen, geschweige denn laut werden. Andere Frauen sind nicht so lange allein und können sich nicht umsehen und nicht besinnen. Aber ich ... ich habe Zeit gehabt — Einsamkeiten hab’ ich gehabt — allein waren wir, ich und mein Kind — —“
Sie begann von neuem zu weinen.
Es tat wohl, zu weinen — es war zugleich wie Anklage und Trost — als ließe sich mit diesen leidenschaftlichen Tränen das Glück ertrotzen ...
Und Renate weinte mit ihr — sie weinte aus Furcht vor dem Leben und aus Entsetzen darüber, daß große Liebe enden kann. Und gegen die ihre kam, wie ein Gespenst, eine drohende Unsicherheit heran ...
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„Und was macht sie jetzt?“ fragte der Geheimrat.
„Schreibt.“