„Schlechtes Gewissen! Ich bitte dich! Inwiefern?“

„Ach — ich bekomm’ so ein Gefühl: Jutta Falckenrott ist kein Umgang für Renée. Sie setzt ihr was in den Kopf. Beunruhigt ihr Gemüt. Nimmt ihr was von ihrer Unbefangenheit. Und die ist doch schließlich das Beste, was die Jugend hat. Die hab’ ich unserem Kind gehütet und geschont ... Und nun zerstört mir eine fremde Hand das alles.“

Voll Sorge und Unmut war sie, und immer flinker gingen dabei Nadel und Faden auf und nieder.

Das mochte der Geheimrat aber durchaus nicht haben. Er wollte nicht nur die Worte, er wollte auch die Blicke seiner Frau, wenn er mit ihr sprach. Er setzte sich zu ihr auf die Bank und nahm ihr einfach die Stickerei fort.

„In dem Augenblick, wo sich das Kind verlobte, gabst du sie dem Leben und lauter fremden Händen hin,“ sagte er voll tiefen Ernstes.

„Und sie zerstören mir, was ich gebildet habe,“ schluchzte sie auf.

Er zog sie voll Güte an sich.

„Denke nicht so klein von deiner mütterlichen Arbeit,“ sprach er, „ich vertraue ihr, ihren Resultaten und dem gesunden Wesen unserer Tochter besser.“

Sie trocknete eifrig ihre Tränen, schluckte und wollte sachlich sein.

„Man sieht wohl: die arme Frau ist voll heimlicher Erregung. Die sehnt sich krank nach ihrem Mann. Es ist Unsinn, daß sie nicht zu ihm gereist ist. So kleine Kinder haben an jeder Pflegerin dasselbe. Die großen Kinder — die sind’s, die einen notwendig brauchen ... Ja, und was ich sagen wollte ... Nun fürcht’ ich — wirkt das entweder wie von selbst hinüber auf Renée, oder die Frau klagt ihr leidenschaftlich was vor und verleidet dem Kind schon vorweg den Beruf des Mannes.“