Sie fühlte sich ein wenig beruhigt, weil es ihr gelungen war, das Wort noch auf der Lippe zurückzuhalten ... Vor diesem klugen Mann hätte sie es merkwürdigerweise nicht aussprechen mögen.

Gamberg ahnte, was in ihr vorging — sein Wissen von ihr befähigte ihn, die abgebrochenen Worte sich zu ergänzen.

Er vermied es, sie anzusehen.

Sie fühlten voneinander: Diese unerhörte Erregung war jäh wieder da, die ihnen die Gegenwart von Menschen zur Qual machte. Die ihre Nerven bis zur Unerträglichkeit anspannte.

Nun verschlang ein Tunnel den keuchenden kleinen Zug, der, in seine seltsam klappernden und surrenden Geräusche förmlich eingehüllt, lärmvoll durch die Dunkelheit klomm, das Gebiß seines kleinen Mittelrades hart in die Eisenzähne der Schiene schlagend. Unter dem von eisigem Hauch durchschauerten Gewölbe führten all die Schallwellen einen wühlenden Kampf miteinander.

Und in dieser lauten Dunkelheit, die jedermann benahm, so daß alles Aufmerken nur auf sie gerichtet war, fühlte Jutta einen kurzen, starken Händedruck.

Er sollte ihr zu ihren unterbrochenen, nicht vollendeten Worten Tröstliches sagen.

Sie verstand ... Wie tat ihr das wohl. Ihr Verlangen, sich mit ihm aussprechen zu können, wuchs.

Jenseits des Tunnels empfing sie eine andere Welt. Eine, die kein Lächeln hatte und keinen Glanz. Die Starrheit eines von Steingeröll fast übersäten, im Schatten liegenden Hochtals, dessen längliches Rund Felsenschroffen umstanden. Und aus ihm heraus führte ein zweiter Tunnel in die kühne Freiheit des breiten, gebuckelten Gipfels des Rocher de Naye.

Da war Leben — nur zu viel Leben; Licht — nur zu beizendes Licht. Und außer dieser seltsamen Hochstation von Hotel, Terrassen, Aussichtstribünen und Menschengewimmel auf grüner Vegetationsnarbe die weite, ungeheure Welt.