Und die Bekannten lachten mit ihr, denn sie wußten ja alle, daß die „Ballmutter“, die Gattin des Kapitäns von Rosenfeld, eine fast ebenso junge Frau war wie Jutta Falckenrott selbst.

Aber in dem Gewühl war ihr nun doch das heiße, lachende Gesicht und das rötliche Haar ihrer Freundin Lisbeth entschwunden. Vielleicht hatte sie auch nicht den strategischen Überblick gehabt, um sicher jenem Platz zuzustreben, auf dem sie von der Treppe aus Lisbeth Rosenfeld gesehen ... an der dritten Säule links ...

Jutta betrat den Gartensaal. Auf der Schwelle hielt sie ein paar Augenblicke den Schritt an. Ganz unerwartet stand eine Erinnerung vor ihr auf — wie Gespenster auf der Bühne jäh aus der Versenkung emportauchen, während die ganze Szene eine andere Beleuchtung annimmt. Vor etwas mehr als einem Jahr, in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft in der neuen Heimat, hatte ihr Gatte ihr die Marineakademie gezeigt. Und auf der Schwelle dieses Saales stand er lange mit ihr. So fröhlich klang seine Stimme. Und, in seine Jugendgeschichten verliebt wie alle Menschen, denen das Gedächtnis nur Frohes aufzutischen hat, erzählte er ihr sehr ausführlich von den Mittagstunden an den langen Tafeln, die so wirtshausmäßig im Gartensaal standen. Da drüben — ja, da hatten sie zusammengesessen als Fähnriche: er und Hochhagen und Rosenfeld. Vom ersten Schritt an, den sie in der gemeinsamen Laufbahn getan, waren sie zusammen gewesen: in den bangen Tagen der Aufnahmeprüfung hatten sie auf einer Bude gewohnt, bei ihrem ersten Bordkommando waren sie auf das gleiche Schulschiff gekommen und dort alle drei der Steuerbordwache zugeteilt worden. Und all die köstlichen, endlosen Späße aus jenen Tagen ...

Das erlebte Jutta so qualvoll deutlich, daß ihr das Lachen des fernen Mannes im Ohr lag — als sei’s erst eben für sie verklungen ...

Sie kämpfte das nieder. Sie sah sich um.

Jetzt sah der Raum anders aus. Um die verputzten, bemalten Säulen, die vereinzelt in seiner Mitte standen, die Decke tragend, zogen nun Menschen. Flaggenschmuck und Grün rief aus: Hier geht es festlich her ...

Jutta dachte: „Ich bin müde ... ich will nach Haus ... Lisbeth hat zu viel Ausdauer in solchen Sachen ...“

Wo hatte sie Lisbeth Rosenfeld doch noch eben gesehen? Ja, richtig, an der dritten Säule im Eingangssaal ... da war sie wohl noch.

Aber Jutta wußte: wenn sie käme und sagte „ich mag nicht mehr“, würde Lisbeth beinahe schreien: „Liebes, was fällt dir ein! Wir gehen noch lange, lange, lange nicht!“

Lisbeth hatte ja auch ein Anrecht auf die Freuden des Lebens ... auf die großen, tiefen ... auf die kleinen, bunten ...