„Wollen wir?“ fragte er.

Sie sahen sich an. Rasch, in aufjauchzendem Entzücken: „Ja — ja ...“

Und wieder Schweigen.

Nun war Jutta wie trunken von der Erhabenheit der Welt ... Bereit, in all der Schönheit unterzugehen — widerstandslos — und sei es Sünde — und sei es Tod ... Allein mit ihm ... endlich und zum erstenmal wirklich allein ...

Der Geheimrat sah den gleitenden Schatten nach und suchte eine Erinnerung festzunageln.

„Schopenhauer,“ sagte er, „mein Gott, so etwas kann quälen ... helfen Sie doch ... oder können Sie’s nicht? Sie sind aus der Generation, die ihn nicht mehr las ...“

Aber Herbert Gamberg konnte aushelfen.

„Im Kapitel von der Nichtigkeit und den Leiden des Lebens,“ sprach er; „die Gegenwart ist einer kleinen dunkeln Wolke zu vergleichen, die der Wind über die besonnte Fläche treibt: vor ihr und hinter ihr ist alles hell, nur sie selbst wirft stets einen Schatten. Sie ist demnach allezeit ungenügend, die Zukunft aber ungewiß, die Vergangenheit unwiederbringlich.“

„Das nenn’ ich ein genaues und präsentes Gedächtnis haben,“ lobte der Geheimrat.

„Nein,“ dachte Jutta, „meine Gegenwart ist nicht mehr dunkel ... nicht mehr ...“