Und zugleich hatte sie jenen kleinen, rührenden und kindlichen Stolz, den liebende Frauen haben können, wenn der Geliebte gelobt wird.

Die beiden Männer sprachen weiter, mit gelassenen Stimmen, in einem durch den wohligen Genuß am Augenblick etwas trägen Fluß der Gedanken oder doch der Worte. Der Geheimrat erzählte, daß er seinen Stil an Schopenhauer zu bilden versucht habe, daß er dessen Prosa noch über die Goethesche stelle, daß man es nicht genug beklagen könne, wie ganz aus der Mode es gekommen sei, in Schopenhauer noch den Sprachkünstler zu ehren. Herbert Gamberg meinte, man sei hier am Genfer See mittelbar ein wenig in seinem Dunstkreis. Der Name Grisebachs, des Schopenhauer-Jüngers, fiel; von dessen „Neuem Tannhäuser“ war die Rede, und Gamberg wußte einige Lyriker zu nennen, deren Ernten seiner Ansicht nach auf Grisebachs Acker gewachsen waren.

Im Geheimrat wurden Stimmungen aus der Jugend wach. Er war vergnügt, daß Gamberg Halbvergessenes in ihm aufstöberte ... allerlei Reime erhoben ihr anmutiges Geklingel; aus dem unendlichen Bergwerk von ernstem Wissen, in dem tief versteckt sie am Leben geblieben waren, fuhren flink leichtsinnig holde Verse auf. Er zitierte — tastend — mit suchenden Worten — ungenau — Herbert Gamberg half aus.

Und endlich hatten sie es beisammen, und der Geheimrat fühlte jene drollige Freude, die auch verständigste Menschen haben, wenn es ihnen gelingt, eine Gedächtnislücke auszuflicken, schon scheinbar Verschollenes wieder lebendig vor sich zu sehen. Er las dem jüngeren Mann nun, lautlos sie nachsprechend, förmlich die Silben von den Lippen, als Herbert mit halber Stimme aufsagte:

„O ihr Savoyens veilchenfarbene Höhn

Und du, Montblanc, in rosigen Abendgluten,

Tiefblauer See — wie seid ihr heute schön!

Und dennoch blick’ ich traurig in die Fluten;

Ich schaue seufzend nach La Meillerie

Und fühl’ ins Aug’ mir eine Träne steigen,