Wärst du mein eigen!“

Und während so der alternde Mann, in der weichen Freude, die die Stimmung dieser prangenden Welt auch in ihm aufwallen ließ, zärtlich mit dem Geschmack seiner Jugend liebäugelte und nachkostete, was ihn damals entzückt hatte — horchte die junge Frau den Worten nach ...

Sie hörte den Klang der Leidenschaft in der halblauten Stimme.

Sie fühlte, daß er es ihr sagte, dies flehend sehnsüchtige: Wärst du mein eigen!

Sie erlebte wieder jene kurze Minute in der purpurdunkeln, rosenduftigen Sommernacht, wo er sie geküßt.

Und ihr deuchte, als sei dies nicht ein rascher Kuß gewesen — als hätten sie sich damals feierlich einander gegeben — und alles, was nachher kam, sei Irrtum, sei Treulosigkeit gegen ihn ...

„Wärst du mein eigen!“

Alles ging weiter ... die Stunden spannen sich ab. Ein Weilchen noch sprach der Geheimrat von den Göttern und Götzen seiner Jugend, hielt eine allgemeine Revue über die Trümmer, die man so hinter sich läßt — meinte: je mehr einer rückwärts liegen weiß, desto heller ist’s vor ihm.

Dann stand man auf. Die Prosa kam, und man mußte essen und saß, merkwürdig von grundlos plötzlicher Heiterkeit getragen, um die Spitze einer jener langen Generalabfütterungstafeln im Saal. Der war nun wieder leer, und nur die Kellner schlüpften wie schwarze Hechte hin und her und räumten ab.

Nachher saß man noch lange am Haus im Freien und ließ den Geheimrat in Ruhe zu seinem Kaffee und seinen Zigaretten kommen. Bei dieser Gelegenheit wurde es dann auch festgestellt: Gervasius’ fuhren mit der Bahn hinab in ihr Hotel in Caux, und der Legationsrat von Gamberg schwor dem Geheimrat, als dem derzeitigen Beschützer der schönen Frau Jutta, zu, daß sie mit heilen Gliedmaßen bis an die Pension gelangen solle. Der Geheimrat nahm seine Verantwortung humoristisch wichtig — denn im Ernst konnte von irgendeiner Gefahr bei diesem geplanten Abstieg nicht die Rede sein.