Dann standen Jutta und Herbert Gamberg auf dem offenen, mit gelbem Kies bestreuten Bahnsteig, der fast aus dem schwarzen Mundloch des Tunnels herauszukommen schien, einer langen, schmalen Zunge gleich.
Sie lächelte ganz freundlich zu den drei Abfahrenden hinauf — ein unverdächtiges Lächeln. Sie wechselte verständliche Worte mit ihnen, die Sinn und Zusammenhang hatten, und denen niemand angehört haben würde, daß ein Wesen sie sprach, das eigentlich nur Maske war.
Dahinter, die wahre, die eigentliche Frau lächelte nicht und sprach nicht, sondern dachte einen einzigen fanatischen Gedanken: „Nun sind wir gleich allein.“
Herbert, in einer beklemmenden Vorfreude darauf, endlich Stunden ungestörter Aussprache vor sich zu haben, verbarg seine Erleichterung über die Abfahrt der Freunde unter immer wachsender Höflichkeit und strengem Ernst des Ausdrucks. Nichts war seiner zurückhaltenden Art gemäßer als dies. Wenn er heimliche Erregungen zu verstecken hatte, wurde er steif.
„Er ist ein merkwürdiger Mann,“ dachte der Geheimrat, „wenn man recht gemütlich mit ihm gewesen ist, scheint er es nachher gewissermaßen dadurch zurückzunehmen, daß er sich in formelle Haltung hüllt.“
So bekamen, nach den wohlgelungenen Stunden des Tages, diese letzten Minuten etwas Konventionelles.
Noch ein letztes Grüßen — und sie standen allein.
Sie sahen sich an — kurz atmend — verlegen beinahe, von dem halbdeutlichen Wunsch beherrscht, voreinander ihre heiße Freude zu verbergen ... als sei etwas Plumpes darin, das unterdrückt werden solle ...
„Gehen wir gleich?“
„Das müssen wir wohl,“ sagte Jutta, „es ist jetzt halb fünf. Vor Einbruch der Dämmerung möchte ich unten sein.“