Die im Grenzenlosen verschwimmende Herrlichkeit der schönen Welt schien ganz allein für sie da zu sein, lachte für ihre lachende Seele.
Es war keine menschliche Mühe, es war göttliche Lust, zu leben.
In den Rausch dieser Stimmung drängten sich keine schwülen Beängstigungen — es war etwas ganz Freies — Reines.
Das bloße Gefühl, von jeder Heuchelei befreit zu sein, gab eine vollkommene Zufriedenheit und Erholung.
Schweigend wanderten sie. Nur der Widerklang ihrer Schritte und das leise Rieseln des Weggerölls, das ihr Fuß in Bewegung setzte, ging immer mit ihnen. Hinter ihnen her kam der laue Wind und strich die Frauenkleider nach vorn. Zuweilen holte ein Wolkenschatten sie ein, huschte über sie hinweg und eilte ihnen voraus am Hang hin.
Sie kamen an die einzige wirklich mühevolle Stelle des Abstiegs. Für einen Kamin zu weit, für eine Schlucht zu eng — eine Art steil abfallender Rinne, angefüllt mit kleinen Blöcken, zwischen denen zuweilen ein kümmerlich grünendes Buschgestrüpp seine Reiser herausstreckte und ein Wasser rann, doch so dürftig, daß es nicht rieselte, sondern nur feuchtete.
Herbert stieg voran. Er prüfte mit dem Stock die Liegefestigkeit jedes Steines, ehe er darauf trat oder seinen Fuß in die Spalten und Lücken zwängte. Dann hielt er seine Rechte der nachkommenden Jutta hin. Mit einer gewissen feierlichen Emsigkeit überwanden sie die Strecke, ganz fürsorglich sich nur gegen ihre kleinen Tücken vorsehend.
Und dann standen sie ausatmend und vergnügt einander gegenüber. In der glücklichsten Unbefangenheit. Und dachten nur erstaunt, warum sie vorhin voreinander verlegen gewesen seien.
„Von nun an ist es ein Spaziergang,“ sagte er.
„Wir können bis dicht vor Caux auf dem Hauptweg bleiben und dann den kleinen Pfad nehmen über die Alm, nachher durch den Wald hinab, nach Montfleury. Ich kenn’ mich da aus — ich bin mit Renate schon da gegangen!“