Wirklich, es war ein Spaziergang. Ein gutes Wandern war es in der leichten, unbegreiflich reinen Luft, die nach Schneefrische und würzigen Kräutern zugleich roch. Die wohlig warm war und zugleich so stark.

Und immer lag fern drunten der See, im blausilbernen feinschuppigen Gerinnsel seiner weit hingestreckten Fläche.

Nur eine Überraschung bot dies Spazierengehen. Der Weg zog sich so merkwürdig um all die Falten des Bergmantels — ein und aus bog er sich, rundete sich hinein, daß man wie umschlossen von grünen Bergwänden war, rundete sich hinaus, daß man steil und hoch über der Gegend zu wandern schien.

„Es ist weiter, als ich dachte,“ sagte Jutta einmal.

„Da auf der Alm können wir rasten.“

„Sie ist nicht bewirtschaftet.“

„Das sieht man schon von hier — es weidet nirgends Vieh.“

„Dort hab’ ich gestern auch mit Renate gesessen.“

Nun war es, als hätten sie ein Ziel. Sie gingen rascher. Bergab lief der Weg und schien sie fast zu stoßen — immer mußte sie sich im Gleichgewicht halten gegen jene seltsam fallenden Vorwärtsbewegungen, zu denen der Körper beim Absteigen gedrängt wird.

„Warum sind wir so schweigsam,“ fragte Herbert einmal, in guter, unbefangener Laune.