Ja, warum? — So fieberhaft hatten sich ihre Wünsche dem Alleinsein entgegengedrängt, um endlich miteinander sprechen zu können, über den Ernst ihrer Lage — über ihre Wünsche — ihre Zukunft.
Und nun wußten sie nichts zu sagen und schienen ganz ausgefüllt von der Lust am zweisamen Wandern in der schönen Welt.
Da vor ihnen lag die Alm — ein Idyll — fast in Bilderbogenfriedlichkeit. Lieblich und still. Leer lag sie, eine große, lang sich hinabziehende Matte, von dem Saum des Tannenwaldes umgrenzt. In ihrer Mitte kauerte gedrückt das Blockhaus. Die dicken Stämme, aus denen es gefügt war, hatten Sonne und Wetter silbergrau gefärbt. Nun schimmerten sie metallisch, und das Schindeldach, das sie schirmte, von Steinen beschwert und dunkel gefleckt, gleißte. Ein alter Holunderbusch drängte sich an die rückwärtige linke Ecke und umschattete sie. Daneben rann, aufgefangen in einem halben, gehöhlten Baumstamm, ein blankes Wasser unter einem den Rasen durchbrechenden Felsbrocken hervor. Jetzt entließ diese Rinne das Wasser ungenützt; dünnstrahlig und blitzend entfloß es ihr und suchte sich einen Weg talwärts, durch das Wiesengras, darin sich einen schmalen Lauf zu tiefen ihm auch durch Stetigkeit gelungen war.
Gestern war Jutta hier gewesen — aber nun erst entdeckte sie die Stätte wahrhaft, in ihrer Feld- und Wald- und Welteinsamkeit unter dem grandiosen Himmel und der Nachbarschaft der von weitem herschauenden Gebirgskolosse.
Die Eingangstür lag zwischen Pfosten tief zurück. Das waren grob behauene Stämme, in dürftigster Baukunst errichtet. Sie umschlossen die verrammelte Tür derart, daß eine breite, geräumige Nische entstand, in der der Schwellbalken einen Sitz hergab.
Besser konnte man nicht sitzen. Den Rücken hielt man gegen die Wand, die Füße voraus gestreckt. Der Rahmen der derben grauen Stämme, klobig und fest, umschloß die Stätte und verbarg sie allen Menschen.
Aber wo waren Menschen? Fern und fingergroß sah man zuweilen einige auf dem sich ein- und ausrundenden Weg droben vorwärts krabbeln. Gerade klomm auch die Zahnradbahn, zwei schräge Kästchen, bergan — winzig wie ein dunkler Käfer, der Mühe hat, sich mit klammernden Beinen beim Emporkriechen zu halten.
Sonst nur die wartende, schwüle, duftende Einsamkeit.
Auch der See war verschwunden — von der Mulde dieser Alm, die die Wälder bergabwärts begrenzten, konnte man ihn nicht sehen.
Und daß man ihn nicht sah, gab völlig den Zauber der Einsiedelei.