Es fand sich ein Herr, der mit gelüftetem Strohhut in der Veranda an Gamberg herantrat. Der nahm, in scharfes Nachdenken versunken, seinen Morgentee — von den Ermüdungen der schlaflos durchwachten Nacht soeben ein wenig durch Bad und sorgsame Morgentoilette erholt. Die Anrede erschreckte ihn beinahe und störte ihn empfindlich. Aber in seiner beherrschten, kühlen Höflichkeit nahm er die Vorstellung des Zudringlichen entgegen.

„Sie gestatten? Herr Legationsrat von Gamberg, nicht wahr? Sie gestatten: Wilmers!“

Die freudige Zuversicht, in der der Mann, der groß und doch untersetzt war, dies „Wilmers“ vorbrachte, verhieß von vornherein Ansprüche auf Bekanntschaftmachen. Aber Gamberg konnte bei seinem zuverlässigen Gedächtnis für Namen wie für Gesichter keinen Wilmers in seiner Erinnerung auftreiben.

Der Mann hatte ein rötliches, starkes, bartloses Gesicht, mit sehr intelligenten Augen. Und die angeborene Plumpheit der Gestalt war durch elegante und gut-getragene Kleidung zu einer besonderen Note gekommen. Die anspruchsvolle Sicherheit des Auftretens schien dafür zu sprechen, daß Herr Wilmers nicht gewohnt und nicht gewillt sei, sich übersehen zu lassen.

„Sie wünschen?“ fragte Gamberg aber trotzdem aus einer sehr großen Entfernung.

„Nichts, als Ihnen die Hand zu drücken, damit meine Schwägerin nachher nicht sagt: und du bist ihm so vorbeigegangen?!“

„Ihre Schwägerin?“ fragte Gamberg voll mißbehaglichen Erstaunens.

„Sie gestatten,“ sagte Herr Wilmers jovial und erfaßte schon die Lehne des Stuhls, der untergeschoben dem Platz Gambergs gegenüber stand.

Die ganze Veranda sah ja zu, und da alle diese Menschen im Augenblick sein Publikum waren, wollte Wilmers es auch befriedigen, indem er ihm das Schauspiel einer rasch sich entwickelnden Bekanntschaft gab.

Herbert von Gamberg machte eine schwache Geste, worauf Herr Wilmers mit der Leichtigkeit der Bewegungen, die große, dicke Menschen oft haben, sich setzte.