Ihr schien, als sei nun schon die Besserung auf dem Wege. Sie hatte auch nicht gedacht, daß dieser stolze Mann, vor dessen Haltung ihr etwas unbehaglich gewesen war, so zutraulich mit ihr sprechen könne ...

Nun gab er ihr noch die Hand ...

Dann ging er. Von einer Eile getrieben, die geradezu Wohltat war. Sie hinderte ihn, den Tumult seiner Empfindungen zu sondern und jede einzeln zu betrachten. Dunkles und Beglückendes in unerhörtem Durcheinander ging durch ihn hin.

Wenn das Kind starb? ... Dann war vollends ihre kurze Ehe mit dem anderen Mann nur noch wie ein Traum ...

Er war gewiß keine dämonische Natur — nicht von fern. Und dennoch wollten Gedanken kommen ... der Verstand sprach von Erleichterung ... von größerer Klarheit der Zukunft ... Er scheuchte das in schwerem Schreck hinweg ...

Er war glücklich, noch in ihrer Nähe zu sein, ihr beistehen zu können, ihr zeigen zu dürfen: ich sorge mich mit dir um dein Kind. — Er arbeitete sich in das Gefühl hinein: so kann ich ihr schon zeigen, daß ich es als teure Pflicht empfinde, an ihres Kindes Ergehen teilzunehmen ...

Er erfuhr in seinem Hotel den Namen und Ruhm eines Kinderarztes und ließ sich sogleich mit diesem Professor Lequint verbinden. Alles ging glatt, und der Professor war bereit, um halb eins in Territet einzutreffen, wo Herbert ihn empfangen würde.

Darauf versuchte er an den Geheimrat nach dem Hotel in Caux hinauf zu telephonieren. Aber die Nachricht kam zurück: die Herrschaften seien gerade ausgegangen.

Als dies alles getan war, kam eine Pause voll Unbehagen — das Warten ... für Beherrschte vielleicht noch zehrender als für die Ungeduldigen, die sich in Worten und Gesten Luft machen können.

Herbert traf auch wieder unfreiwillig mit Herrn Wilmers zusammen und sollte erklären: ob er seine Abreise auf den Nachmittag verschoben habe? Mit welchem Zuge nun? Er — Wilmers — würde auf eine geplante Partie verzichten und es sich nicht nehmen lassen, ihn an die Bahn zu geleiten. In einer dem Legationsrat bekannten Familie sei plötzlich ein ernster Krankheitsfall eingetreten? Das ging Herrn Wilmers sehr nahe. Ja, Kranksein im Hotel wäre etwas Entsetzliches. Und teuer! Die betreffende Familie solle sich nur auf schauderhafte Rechnungen gefaßt machen. Es scheine beinahe, als sei ein Haferschleim mühseliger herzustellen als eine getrüffelte Geflügelgelatine.