Wenn es doch am Leben bliebe! Es schien durch sein bloßes Dasein die Sache seines fernen Vaters zu führen.
Während der langen Stunden seiner Tag- und Nachtreise dachte Hochhagen sich in all dieses immer stärker hinein.
Ihm war, als sei er unterwegs, um zu helfen, zu handeln. Und er litt vor Ungeduld, wenn er sich klarmachte, daß er im Grunde weder helfen noch handeln könne.
Er durfte Gamberg nicht stellen. Ihm nicht auf den Kopf zusagen: Du liebst sie und willst einen Abwesenden berauben — ich stehe hier anstatt seiner und versperre dir mit den Waffen in der Hand den Weg zu der Frau.
Vor Dingen, die man nur spürt, auf deren Vorhandensein man zwar schwören könnte, und die man doch nicht zu beweisen vermag, steht man ohnmächtig.
Der Legationsrat von Gamberg hatte mit keinem Wort und keiner Miene Kritik herausgefordert, er hatte nicht ein einziges Mal eine Haltung angenommen, die verletzend für die Ehre des Abwesenden genannt werden konnte.
Und gerade deshalb fürchtete Hochhagen ihn.
So beherrschte Naturen sind zielbewußt — gefährlich sind sie durch ihre Unangreifbarkeit.
Ein Mann, der nichts wollte, wie eine temperamentvolle, unter ihrer Einsamkeit leidende Frau trösten, um dann mit dankbaren Siegergefühlen seiner Wege zu gehen, ein solcher Mann würde sich anders benehmen.
Dieser wollte mehr! Das witterte Hochhagen. Gerade diese vornehme, vollkommen besonnene Art des anderen bewies es ihm: der wollte die Frau für immer sich erobern und war vielleicht schon jetzt voll Besorgnis, in ihr die zukünftige Trägerin seines Namens zu schonen.