Aus den Kissen des Wagens kam ein schwacher Ton ... Kaum vernehmbar ...
Schon kniete die Mutter neben dem Lager und beugte sich, mit gierig horchendem Ohr und verzehrend eindringlichen Blicken über das Kind.
Es war nur ein kleiner, dünner Klagelaut gewesen, vielleicht im Schlaf ... denn die Augen blieben geschlossen und der Mund stumm.
Eine merkwürdige Befangenheit machte Emmich auf einmal unsicher. Er begriff: über den Anblick der Frau, die ein Schatten ihrer früheren Erscheinung war, hatte er eigentlich das Kind in diesen ersten Minuten vergessen ...
Er hatte nun Angst davor, an das Kind heranzutreten — eine lächerliche, feige, kleine Angst — er, ein Mann, der schon ernsten Gefahren kaltblütig ins Auge gesehen ...
Es war das Mannesgefühl, das sich vor dem erweichenden Mitleid fürchtet, das Frauen und Kinder nicht weinen sehen kann ...
Und doch spürte er: sie wartet darauf — sie kniete noch immer neben ihrem Kind ... Ihr Warten auf seine Anteilnahme wirkte auf ihn hinüber — bezwang ihn. Der Vorsatz huschte durch sein Hirn: ich werde sagen, das Kind sieht unverändert wohl aus. Er erinnerte sich plötzlich, daß er seiner Mutter, wenn sie sich vor dem schlechten Ausgang ihrer letzten Krankheit fürchtete, immer gesagt hatte: Mutterchen, du siehst sehr gut aus, viel besser als gestern. Und dann hatte sie getröstet gelächelt.
Fast erheiterten sich schon seine Züge. So unmittelbar schwebten ihm schon die guten, tröstlichen Worte auf den Lippen.
Da stand er nun und sah auf das kleine Lebewesen herab.
Er erinnerte sich mit einem Male ganz genau, wie es ausgesehen hatte — wie ein drolliges, rührendes Bild war dies Kinderköpfchen gewesen. Selbst als rauher Mann, der nichts von Kindern verstand, konnte man eine kleine Rührung nicht unterdrücken.